Chronik des VfB Dillingen


Ein Abriss der Vereinsgeschichte*
von Michael Behles


Eine vergilbte Aufzeichnung aus dem Jahr 1180, die auf rätselhafte Weise Jahrhunderte überdauerte, besagt, dass es in England ein Spiel gäbe, bei dem eine runde, aus Tierhäuten bestehende Kugel, mit den Füßen getreten werde. Kein Zweifel, das war schon Fußball. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich diese Sportart, trotz staatlich verordneter Verbote, zu einem Volkssport, der ausgehend von den britischen Inseln, seinen Siegeszug durch die ganze Welt antrat.

Dreiundvierzig Jahre nach der Gründung des ersten Fußballclubs Notts County in England schlug auch die Geburtsstunde des Fußballsports in Dillingen.
Die Entwicklung setzte bereits 1905 ein, als ein Sponsor den wenigen Anhängern einen von der Sportfirma Steidel gefertigten Lederball zur Verfügung stellte. Diesem jagte nun Tag für Tag eine sich ständig vergrößernde Schar junger Leute auf dem heutigen Weinligplatz hinterher. Unter diesen Umständen ließ die Gründung eines Vereins nicht lange auf sich warten.

In seiner Ausgabe vom 9. Juni 1906 berichtet der Dillinger Anzeiger: „ Vor drei Wochen wurde im Gasthaus Meißer ein Fußballclub unter dem Namen „Viktoria“ gegründet, der auf dem freien Wiesenplatz vor dem Bahnhof seine Übungsspiele abhalten wird. Wir können wohl annehmen, dass der neue Verein in kurzer Zeit noch recht viele Freunde finden wird.“
Folglich wurde kräftig geübt, wenn der Ball auch den Fehler hatte, mehr eckig als rund zu sein, und oft im unrechten Augenblick sein Leben aushauchte.
Die Tore bestanden erst aus einigen beiderseitig aufgesetzten Steinen und später aus zwei Balken mit einer Latte.


Erste Fußballer in Dillingen 1906-1908 auf der Wiese hinter dem Postamt

v.l.n.r.: Labouvie Heinrich, Seiwert Alois, Seiwert Josef, Schmitt Otto, Weiand Klaus, Stadtfeld Paul, Gergen Jakob, Hasenohr Alois, Fischer Jakob, Reiter Alois, Kunz, Hector August, Hector Baptist, Kreutz Eduard, Weiand Karl, Bretz Wilhelm, Lamar, Labouvie Josef

Seit dem Jahre 1908 wurde der Spielbetrieb auf einer Wiese am Hüttenschlafhaus, dem heutigen Bauhof, abgehalten, dort, wo später der Sportplatz Papiermühle entstehen sollte. Auch die heimische Presse zeigte wachsendes Interesse an unserem Club. Im ersten Spielbericht am 22. September 1908 gegen Saarlouis verschwieg man aber schamhaft das Ergebnis und sprach nur von der Tapferkeit der jungen Leute gegen einen älteren und robusteren Gegner. Aber schon am 30. Oktober 1908 vermeldete der Berichterstatter einen vielgerühmten 2:0-Sieg gegen Roden.




Vereinsgründer
Fritz Heidenreich


Schon in der zweiten Generalversammlung der Viktoria am 13. Oktober 1908 konnte der Club bereits mehr als vierzig Mitglieder vorweisen, obwohl inzwischen das Gymnasium und der Turnverein „Germania“ ebenfalls eine Fußballabteilung gegründet hatten. Ein Jahr später wurde die Viktoria in FC 06 Dillingen umbenannt. Anlass hierfür war der Zusammenschluss mit dem Gymnasialclub. Aus jener Zeit ist auch ein Spiel in Trier bekannt, wo der Gegner erst wegen der Jugendlichkeit des Dillinger Teams nicht antreten wollte. Nachdem die Trierer auf ihrem Palast-Parade-Platz 1:2 verloren hatten waren sie aber voll des Lobes: „Die Dillinger Biwake spillen jo wie der Deiwel“. Zur Belohnung bekam jeder Spieler im Gasthof „Goldene Traube“ eine Flasche Limonade und ein Schinkenbrot. Die Seele des damaligen Vereinslebens war Fritz Heidenreich, der Gründervater, der auch nach dem 1. Weltkrieg erneut den Vorsitz übernahm.

1909 wechselte der Verein das Spielfeld. In wochenlanger Arbeit wurde das Gelände zwischen der Saarbrücker- und der Primstalbahn mit Hacke und Schaufel in einen Zustand versetzt, der den Ansprüchen in etwa entsprach.
An einen geregelten Spielbetrieb war zu damaliger Zeit noch nicht zu denken. Es wurden lediglich Freundschaftsspiele ausgetragen. Ein am 3. Mai 1910 absolviertes Spiel gegen Metz-Montigny erfreute sich erstmalig des Interesses der Presse und einer größeren Menschenmenge.

Nachdem die Dillinger Hütte im Jahre 1911 das Gelände zur Errichtung eines Schlammweihers benötigte, musste der Club erneut zum Wanderstab greifen. Schließlich gelang es dem Vorsitzenden Heidenreich, nach mühsamen Verhandlungen mit dem Bürgermeister, den Platz an der Heiligenbergstraße (Rosengarten) für zehn Jahre zu pachten. Am 17. September 1911 erstritt sich der FC bei einem Sportfest in Merzig den ersten Pokal seiner Vereinsgeschichte. Die Aufwärtsentwicklung schritt fort, die sich auch in der Zugkraft gesellschaftlicher Ereignisse wiedergab. Besonders die vom Verein veranstalteten Maskenbälle zur Karnevalszeit erfreuten sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit. Der erste Weltkrieg unterbrach jäh das Vereinsleben. Viele Spieler und Mitglieder ließen auf den Schlachtfeldern ihr Leben.

Nach Kriegsende sammelte Vorsitzender Heidenreich die verbliebenen Spieler und Mitglieder und begann unverzüglich mit dem Wiederaufbau. In der Versammlung vom 9.3.1919 wurde der Club in „Verein für Bewegungsspiele“ umbenannt. Er erfuhr nun sehr schnell einen steten Zuwachs. Da in dieser Zeit immer mehr Fußballvereine gegründet wurden, konnte im gleichen Jahr eine Pflichtspiel-Runde eingeführt werden. Das erste Spiel am 28.9.1919 in Fraulautern konnte der neue VfB bereits mit 5:2 für sich verbuchen. An Pfingsten 1920 gastierte mit dem deutschen Altmeister FV Karlsruhe (heute Karlsruhe SC) erstmals ein international angesehener Verein im Rosengarten. Der VfB spielte in der Aufstellung: Labouvie, Maurer, Göbel, Grandmontagne, Sachse, Einsele, Speicher, Meißner, Bretz, Rinkenbach und Clemens.

Pfingsten 1920
gegen den FV Karlsruhe im Rosengarten


In der Saison 1920/21 gelang dem Verein die erste offizielle Meisterschaft, in dem man sich gegen Clubs wie Konz, Hansa Trier, Ehrang, Wittlich und Fraulautern souverän durchsetzten konnte. Beim Osterturnier 1921 gelang in einem mitreißenden Match ein 2:1-Sieg gegen Red Stars Zürich und eine Remis gegen Phönix Ludwigshafen. Die Akteure müssen damals Lungen wie Pferde gehabt haben, trug die Mannschaft doch des öfteren Spiele gegen zwei Gegner an einem Tag aus.




Meistermannschaft 1921
v.l.n.r. Einsele, Speicher, Bedersdorfer, Sachse, Göbel Willi, Krüger, Maurer, Meißer, Kammer, Göbel Walter


In den folgenden Jahren forcierte der VfB seinen Nachwuchs. 1923 wurde der Sportlehrer Voß als Trainer verpflichtet. Am 2. Juni 1923 gastierte die Neunkircher Borussia im Rosengarten. Es war ein Werbespiel für den Fußball im wahrsten Sinne des Wortes, wo 2500 Zuschauer eine 1:0-Halbzeitführung der Schwarz-Weißen, am Ende aber noch sechs Gegentreffer sahen.

Erste Jugendmannschaft 1922


Im Frühjahr 1924 registrierten wir ein stolzes Ereignis, die Einweihung unseres neuen Sportplatzes an der Papiermühle. Die alte Rosengarten-Anlage diente vor allem dem TV Germania als Übungsstätte, so dass es immer wieder zu Misshelligkeiten und Überschneidungen von Veranstaltungen kam. Dem Wunsch nach einer eigenen Spielstätte kam die Dillinger Hütte entgegen. Mit einem Pachtvertrag wurde dem Verein das Gelände zwischen der heutigen Brückenstrasse und der Prims zugewiesen, dort wo 1757 der französische Baron Francois Tailfumur eine Mühle für Papierproduktion erstellte und die 1811 durch die belgische Familie Piette zu einer großen Papierfabrik ausgebaut wurde.
Einziges, aber größtes Problem war die Finanzierung des Projektes. Durch die Ausgabe von wertbeständigen verzinslichen Anteilscheinen und der Beteilung der Gemeinde gelang es, dem Vorhaben ein finanzielles Fundament zu geben. Durch die großzügige Hilfe der beteiligten Firmen und vor allem der Dillinger Hütte, die das Material zur Aufschüttung und die Herstellung der Drainage kostenlos zur Verfügung stellte, konnte die Spielfläche im Frühjahr 1924 fertig gestellt werden.
Am 17. und 18. Mai 1924 wurde der Sportplatz Papiermühle mit einem zünftigen Kommers eingeweiht. Der agile Vorsitzende Mang konnte Ehrengäste wie die Mannschaften von Idar-Oberstein, Neunkirchen und der spätere deutsche Meister Fürth willkommen heißen.

Zwei Jahre später wurde der Verein auf seiner neuen Anlage nicht ganz unerwartet Meister der A-Klasse, verbunden mit dem Aufstieg in die Kreisliga. Notwendig hierfür waren Entscheidungsspiele gegen Geislautern, Völklingen und Schaffhausen. Die Entscheidung fiel am 5.9.1926 vor 1.600 Zuschauern, als man Schaffhausen mit 4:1 bezwang. Zur Meisterelf gehörten: Haubrich, Grandmontagne K, Mohr, Blug, Grandmontagne P., Dittgen, Frohn, Hagendorf, Ornau, Franz und Dietz.

Zum allgemeinen Verständnis darf man diese Kreisliga nicht mit den heutigen Gegebenheiten vergleichen. Das Saargebiet war damals in eine West- und eine Ostzone aufgeteilt. Die Westzone, in der auch der VfB agierte, erstreckte sich bis weit in die Eifelregion, also heute vergleichbar mit einer zweigeteilten Oberliga-Südwest.


Nur mit Mühe und Not konnte man im neuen Umfeld die Klasse erhalten. Eine vernichtende 10:0-Niederlage gegen Trier 05 war unrühmlicher Saisonhöhepunkt. Berücksichtigen muss man jedoch, dass die Mannschaft sehr jung war. Einem Zeitungsbericht zufolge zeigte die Elf „ein schnelles, exaktes Spiel in Verbindung mit einem gepflegten Flachpass“, andererseits fehlte es an der nötigen Härte um gegen die robusten Gegner aufkommen zu können. Die Früchte der vortrefflichen Nachwuchsarbeit konnten jedoch schon bald eingebracht werden. 1929 gelang die erste Meisterschaft in der Kreisliga, obwohl man den Verlust des Spielführers Paul Nitruk, der auf der Dillinger Hütte tödlich verunglückte, hinnehmen musste. Stärkster Widersacher in der Saison war wieder einmal Eintracht Trier, gegen die wir aber mit einem Punkt Vorsprung durchs Ziel gingen. Mit über 1.500 Anhänger wurde die Meisterschaft im Saal „Zur Flotte“ gebührend gefeiert.


Danach verpflichtete der Verein den ungarischen Nationalspieler Peter Szabo als hauptamtlichen Trainer. In den Aufstiegsspielen zur Bezirksliga, damals die höchste Fußballklasse des Südwestdeutschen Fußballverbandes, scheiterten die Schwarz-Weißen jedoch am VfB Zweibrücken, VfR Kaiserslautern und dem FC Idar-Oberstein.
Aber schon im folgenden Spieljahr 1929/30 startete die Szabo-Elf zu neuen Taten.
Die Verbandsrunde stand unter keinem guten Stern, denn zum Start verstarb der 1. Vorsitzende August Hector, der den VfB entscheidend geprägt hatte.
Doch die Begeisterung kannte keine Grenzen. Sonntag für Sonntag steigerte sich die Schar der Anhänger. Die damalige Mannschaft bestach durch eine frappierende Beständigkeit und einem beachtlichen Spielniveau. Mit nur einer Niederlage und dem Ergebnis von 38:6 Punkten und 73:17 Toren wurde der VfB erneut Meister.
Die häufigste Aufstellung der Meisterelf lautete: Haubrich, Mohr, Grandmontagne K., Windgassen, Nitruk A., Burger A., Nietrug L., Ornau, Schmitt A., Wirtz und Blug.
Die Aufstiegsspiele paarten uns mit Kreuznach, St.Ingbert, Gersweiler und Phönix Kaiserslautern (dem heutigen FCK), die am Schluss Dillingen und Kaiserslautern punktgleich sahen. Das am 3. August 1930 auf dem Pirmasenser „Horeb“ ausgetragene Entscheidungsspiel vor 4.000 Zuschauern war eines der aufregendsten
der Vereinsgeschichte. Dem 1:0 durch Nietrug folgte der Ausgleich von Kaiserslautern. Wieder war es Nietrug, der einen Konter zum 2:1 und damit zum Siegtreffer abschloss. Tausende von Menschen hatten sich vor dem Dillinger Bahnhof eingefunden, als ihre Helden dem Zug entstiegen. Unter lautstarkem Jubel wurden die Spieler von ihren Anhängern auf den Schultern durch die Stadt getragen
.




die legendäre Czabo-Elf
Meistermannschaft Kreisliga West und Aufsteiger in die Bezirksliga Südwest 1930

(höchste deutsche Fußballklasse)
v.l.n.r. Vorsitzender Levy, Blug, Ornau, Windgassen, Schmitt, Wirth, Haubrich, Burger, Mohr, Hector, Grandmontagne, Nietrug, Trainer Czabo, Betreuer Dittgen

In der Festzeitschrift zum 50jährigen Bestehen wurde dieses Ereignis als die stolzeste Stunde des Vereins bezeichnet. Dillingen war im gesamten Reichsgebiet der einzige Ort mit damals noch amtlicher Dorfbezeichnung, das einen Fußballverein in die höchste Spielklasse entsandte. Der Erfolg war umso höher zu bewerten, als er mit Spielern errungen wurde, die fast ausnahmslos aus der eigenen Jugend stammten.
Voller Enthusiasmus sprach die Presse landesweit vom „Dillinger Wunderteam“, das ein Niveau erreicht hatte, das unmittelbar an die deutsche Spitzenklasse anschloss und sich von der Masse der übrigen Vereine weit abhob.

Nach dem Titelgewinn trug der VfB sage und schreibe 47 Freundschaftsspiele aus. Die Bilanz von 314:98 Toren spricht für sich. International renommierte Vereine wie Rot-Weiß Frankfurt mit Nationaltorwart Kreß und der österreichische Bundesmeister SC Graz gaben sich auf der Papiermühle ein Stelldichein. Nicht zu vergessen das legendäre Spiel gegen Stade Francais Paris, das den VfB vor mehr als 4.000 Zuschauern mit 5:3 als Sieger sah.

Erwähnenswert erscheint, dass wir damals auch über eine Herren- und Damenhandballmannschaft, eine Faustball- und Leichtathletikabteilung verfügten, die allesamt sehr erfolgreich agierten.

Voller Zuversicht startete die Elf im Frühjahr 1930 in die Bezirksligarunde. Im Oberhaus des deutschen Fußballs wehte aber ein rauerer Wind. Die Liga bestand nur aus acht Vereinen und nach einigen unglücklich verlorenen Spielen fand man sich auf dem letzten Tabellenplatz wieder. Da für das nächste Spieljahr die Liga auf zehn Vereine erhöht wurde, mussten wir zum Abschluss ein Qualifikationsspiel gegen den Sieger der Aufstiegsrunde FC Kaiserslautern austragen. Das Spiel im Neunkircher Ellenfeld am 28.6.1931 ging 1:2 verloren. Der Verein fand sich in der altvertrauten Umgebung der Kreisliga wieder. Der Abstieg wurde damit begründet, dass viele Spieler des Meisterteams aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr zu Verfügung standen und dadurch das Niveau nicht erhalten werden konnte.

Nach dem Abstieg drohte dem VfB der Untergang. Aufgrund der weiten Reisen, der Beschäftigung eines hauptamtlichen Trainers und zurückgehender Einnahmen hatte sich der Verein enorm verschuldet. Zudem drückte immer noch ein Darlehn aus dem Neubau der Papiermühle. Die Vorsitzenden wechselten jährlich. Die Konkursgefahr konnte letztlich durch einen außergerichtlichen Vergleich mit den Gläubigern abgewandt werden.


Nach der Saison 1931/32 wurden im Gebiet des südwestdeutschen Fußballverbandes ständig neue Gruppeneinteilungen vorgenommen, die zu erheblichen Klagen und Protesten führten. Die neuformierte Mannschaft spielte infolge hin und wieder eine gute Rolle, ohne jedoch an frühere Erfolge anknüpfen zu können.
Am 18. März 1935 übernahm Lorenz Schall das Amt des Vorsitzenden. Er stand dem Club anderthalb Jahrzehnte treu zur Seite und leitete eine Wiederbelebung der Vereinsarbeit ein. Der rührige Vorstand konnte die Mitgliederzahl wieder auf 250 erhöhen. Die Sportfreunde Dillingen schlossen sich dem VfB an und es wurde eine Hockey- und Tischtennisabteilung gegründet.
Die A-Jugend des VfB wurde ungeschlagen Saarland-Meister in der Besetzung:
Proietti, Groß, Metzger, Jäckle, Reimsbacher, Hecktor, Martini, Bastian, Quinten, Franz und Augustin.

Die 1. Mannschaft schaffte in der Spielrunde 1936/37 die Meisterschaft und stieg nach erbitterten Kämpfen gegen Merchweiler, Sulzbach und Theley und Völklingen wieder in die Bezirksklasse auf. Im Meisterteam spielten: Nagel, Klein, Ornau, Hassel, Servet, Wagner, Heiß, Mittermüller, Kellersch, Nietruk und Dietz

Hier waren die Kontrahenten Burbach, Saar 05, Dudweiler, St.Ingbert, Püttlingen, Güdingen, Roden, Schaffhausen, Sulzbach und der Nachbar Diefflen. Da im Verlaufe der Runde aber etliche Spieler zur Wehrmacht eingezogen wurden schloss die Elf nur mit einem Mittelfeldplatz ab. Erwähnung darf aber ein Freundschaftsspiel am 12.6.1938 gegen den 1. FC Kaiserslautern finden. Dillingen zeigte eine prächtige Vorstellung auf der Papiermühle und unterlag nur knapp mit 1:2. Zur Aufstellung der Pfälzer gehörte auch der erst 17-jährige Fritz Walter, der 1954 mit der Nationalelf den Weltmeistertitel in der Schweiz erringen sollte.
 



Meistermannschaft Kreisliga 1937

Es wurde jedoch immer schwieriger, elf Spieler auf den Platz zustellen. Die Mannschaft wurde kontinuierlich jünger. Es musste sogar auf Sechzehnjährige oder auf Angehörige der in der Nähe stationierten Wehrmachtseinheiten zurückgegriffen werden. Dunkle Wolken waren über Europa gezogen, der 2. Weltkrieg begann und ein geordneter Spielbetrieb war nicht mehr möglich. Der letzte Tabellenstand wurde am 25.3.1942 in den Analen vermerkt. Die Hüttenstädter lagen damals hinter Bous auf dem zweiten Platz der Kreisliga.
Der Chronist beschreibt damals die Kriegsjahre: Im Hagel der Vernichtungswaffen waren die Werte wie das Edle, Gute und Schöne dem Moloch Krieg rettungslos ausgeliefert. In einem Inferno raste die alte Welt ins Verderben. Auch der VfB Dillingen wurde hart getroffen. Der Tod hatte in den Reihen der Mitglieder und vor allem der Spieler grausige Ernte gehalten. 1945 standen wir vor der unfassbaren Tatsache, dass 38 Spieler gefallen waren. Der Verein verlor 25 % seines Mitgliederbestandes. Zudem war unser Sportplatz Papiermühle, der im Bereich heftiger Kämpfe lag, völlig zerstört.

Der junge Zeitgenosse von heute kann sich nicht vorstellen, dass schon im Sommer 1945 die verbliebenen Mitglieder den Neuaufbau in einer unsäglichen Trümmerwüste wagten, obwohl die an zahlreichen Wunden blutende Stadt von Not, Elend und Hungersnöten gepeinigt war. Obwohl es an Schuhen, Sportgarnituren und Bällen mangelte, absolvierte der VfB am 15. September 1945 sein drittes Freundschaftsspiel gegen Siersburg, das mit 7:5 gewonnen wurde. Sogar die Aufstellung dieser Elf ist bekannt, die wie folgt lautete:
Schmitt, Rau, Selzer, Ory, Brojetti, Röder, Müller M., Einsele, Augustin, Steffen und Grandmontagne.
Ende 1946 wurde Herrn Dittgen durch den Verwaltungsrat zum neuen Vorsitzenden bestimmt. Unter seiner Ägide wurden die Kassenräume neu erbaut und die „Erfrischungshalle“ (Vorgänger unseres heutigen Clubheims) wiederhergestellt. Die Abteilung Schach brachte dem Verein durch beachtliche Leistungen viel Achtung ein.

Ein halbes Jahr später, am 3.2.1946 erfolgte die Neugründung des Vereins unter dem Namen „Verein für Ballspiele“, den er auch heute noch inne hat. Das Omnisportgesetz zwang eine Reihe bisher selbständiger Vereine, sich dem VfB anzuschließen. Am 17.2.1946 wurde die Verbandssaison in der Kreisklasse mit dem Spiel gegen den FV 07 Diefflen (2:2) eröffnet. Nur ein Jahr später feierten die Schwarz-Weißen ihre erste Nachkriegsmeisterschaft. Das schwerste Spiel der Rückrunde fand in Hüttersdorf statt, das der VfB vor 2.000 Zuschauern für sich entschied. Mit 32:4 Punkten und 65:19 Toren wurde die Elf Primus der Klasse. Zur Aufstellung gehörten: Schmitt, Burger A., Röder, Einsele, Quinten, Reimsbacher, Mittermüller, Augustin, Ory, Schmitt H. und Steffen.

In der Saison 1947/48 kehrte der schussgewaltige Stürmer Sepp Schulz aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Zudem erhielt die Elf weiteren Zuwachs mit den spielstarken Gebrüdern Heinz und Gerhard Hartmann. Schon bald stellten sich spielerische Höhepunkte ein. Nach einem Startsieg auf dem gefürchteten „Hoferkopf“ in Bildstock sah man sich nach weiteren Erfolgen mit Friedrichsthal und Sulzbach punktgleich an der Tabellenspitze.

Alle Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden wurden jedoch in einem „Skandalspiel“ in Riegelsberg zerstört. Ursache hierfür war ein Protest eines VfB-Spielers gegen den Linienrichter, wodurch der Schiedsrichter einfach das Spiel abbrach. Unser Verein wurde am grünen Tisch mit einer Spielsperre für die Dauer der restlichen Vorrunde belegt und konnte nicht mehr ins Meisterschaftsgeschehen eingreifen. Einziger Trost blieb ein Freundschaftsspiel am 6. Juni 1949 gegen Rapid Wien, das die Gäste mit 3:0 für sich entschieden.

In der Generalversammlung vom 12. März 1949 wurde Dr. Guido Hector, ein Sohn des früheren Vorsitzenden ins gleiche Amt gewählt. Unter seiner Führung wurde auf der Papiermühle eine Umkleidekabine mit einer Wohnung für den Platzwart gebaut. Zudem erhielt der Platz erstmals eine Umzäumung. Aus dieser Zeit registrieren wir auch das erstmalige Erscheinen einer Stadionzeitung, die den Namen „VfB-Nachrichten“ trug.


In diesem Zusammenhang verdient auch unser ehemaliger Sportkamerad Andreas Krüger Erwähnung. Der einstige Aktive (Torwart) und Vorsitzende setzte sich als Unternehmer und Verleger (Krüger-Druck) mit Leidenschaft und Herzblut für die Belange der Schwarz-Weißen ein. So konnte unter seiner Vorstandschaft auf der Papiermühle eine Flutlichtanlage installiert werden. Für die damalige Zeit war das eine Sensation, die vor allem den Trainingsbetrieb in der Winterzeit enorm begünstigte.

Andreas Krüger Erste Ausgabe der
Stadionzeitung des Vereins


Im Spieljahr 1949/50 entging der VfB nur knapp dem Abstieg. „Goalgetter“ Schulz fiel nach schwerer Verletzung in einem Spiel gegen Metz über Monate aus. Ihm folgten die Leistungsträger Baus und Reimsbacher. Trotzdem konnte man die akute Gefahr eines Klassenverlustes abwenden.

Doch nach Regen folgte an der Papiermühle Sonnenschein. Schall übernahm wieder die Funktion eines Präsidenten und mit dem Zugang der Gebrüder Günter und Horst Lauer schälte sich nach langen Experimenten eine neue, kampf- und spielstarke Truppe heraus.
Schon bald entwickelte sich ein Kopf an Kopf Rennen mit dem SV Fraulautern, das an Dramatik kaum noch zu überbieten war. Mittlerweile hatte der berühmte Trainer Ossi Müller (Erfinder des Schweizer Riegels, vormals Austria Wien), die Schwarz-Weißen übernommen. Mit zwei Punkten Rückstand musste das letzte Spiel beim Tabellenführer die Entscheidung bringen. Die Begegnung am 3. Mai 1951 löste zwischen den beiden Orten eine regelrechte Völkerwanderung aus. Vor 6.500 Zuschauer besiegte unsere Elf den Kontrahenten auf dem „Großen Sand“ mit 6:2. 36:8 Punkte und vor allem die 110 erzielten Treffer, was damals ein Schnitt von sage und schreibe fünf Toren pro Spiel bedeutete, sprachen für das unwiderstehliche und spielerische Können dieser Crew.
Durch die Punktgleichheit musste ein Entscheidungsspiel her, das am 24. Mai 1951 auf dem Saarlouiser „Choisy“ ausgetragen wurde. Mehr als 10.0000 Zuschauer (noch heute Rekord im saarländischen Amateurfußball) verfolgten die Begegnung, die in einem 0:4-Desaster für den favorisierten VfB endete. Die auf dem Röderberg versammelte Musikkapelle musste ihre Instrumente einpacken und zog samt Anhang traurig und enttäuscht zurück in die Hüttenstadt.

Doch das Leben ging weiter. In den folgenden Wochen stellte das Team seine ausgezeichnete Form mehrfach unter Beweis. Eine Kombination VfB/Fraulautern unterlag auf der Papiermühle ehrenvoll mit 2:5 gegen den kroatischen Meister Dynamo Zagreb. Der pfälzische Landesmeister Eintracht Bad Kreuznach wurde mit 6:1 vom Platz gefegt.


Durch eine Kinderlähmungsepidemie verzögerte sich der Start in der Bezirksliga West erheblich, der VfB zeigte in den Vorbereitensspielen schwache Leistungen und Mutlosigkeit machte sich breit. Doch nach sieben Spieltagen hatten wir mit 14:0 Punkten und 33:4 Toren die Tabellenspitze erklommen. Größter Konkurrent war der FC Ensdorf, der sich aber am drittletzten Spieltag einen Ausrutscher in Losheim erlaubte. Diese Chance ließen sich die Hüttenstädter nicht entgehen. Nach fünfjährigem Aufenthalt in der Bezirksliga West wurde der Aufstieg in die Landesliga (höchste saarländische Klasse) kräftig gefeiert.

Ab Sommer 1952 fungierte Herr Henry Hoche von der Dillinger Hütte als Präsident und Karl Höger, ein ehemaliger Waldhöfer Nationalspieler, wurde als neuer Trainer verpflichtet. Doch zu Beginn der Runde kam die Mannschaft nicht recht in Tritt und zierte schließlich das Tabellenende. Dem ersten Heimsieg gegen Brebach (2:0) folgte am 12. Oktober 1952 ein sensationeller Sieg gegen den Tabellenführer St.Ingbert. In einem wohl einmaligen Siegeszug eilte der VfB fortan von Erfolg zu Erfolg. Im letzten Treffen mussten wir just beim SV Fraulautern antreten. Das bittere Geschick des Vorjahres sollte sich jedoch nicht wiederholen. Dillingen gewann durch Tore von Schulz (2), Lauer, Bersin und Hartmann mit 5:3. Man war Meister aller saarländischen Amateure. Im Dillinger Nachkriegsfußball gilt dieser Erfolg noch heute als ein einzigartiger Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Zu den Meisterschaftsfeiern gaben sich renommierte Vereine wie Waldhof-Mannheim und Eintracht Trier auf der Papiermühle die Ehre.
Der Jubel war noch nicht verklungen und direkt ging es in die Aufstiegsrunde zur 2. Südwestliga. Gegner waren hier Dudweiler, Friesenheim, Oppau und der VfL Trier. Am 28. Juni 1953 kam es vor 5.000 Zuschauern auf der Papiermühle zum entscheidenden Spiel gegen Dudweiler. Der ASC verließ als verdienter 3:1-Sieger den Platz. Durch die großen Belastungen im Titelrennen fehlte der Höger-Truppe letztlich Kraft und Nerven um die Aufstiegsspiele erfolgreich abzuschließen.




die legendäre Höger-Elf
Meistermannschaft 1953 – Landesliga Saar

v.l.n.r. Trainer Höger, Bersin, Ewen, Heckmann, Ory, Schmitt, Hartmann Gerhard, Lauer Günter, Schulz
kniend: Hartmann Heinz, Hanser, Lauer Horst


Das hohe Durchschnittsalter der Mannschaft erforderte im Sommer 1954 einen Neuaufbau mit jungen Kräften. Trainer Cerha, der Höger abgelöst hatte, sah sich erheblichen Problemen gegenüber und musste Experimente wagen. 25 Akteure wechselten sich in der Elf ständig ab und erst im letzten Heimspiel gegen Quierschied konnte mit einem 6:2 die Klasse gerettet werden.
Auch im Folgejahr ließ eine Verbesserung der prekären Lage noch einige Zeit auf sich warten. Stammtorwart Jung hatte sich kurzfristig einem neugegründeten Polizeisportverein angeschlossen, was zur Folge hatte, dass Cerha´s Experimente mit einem halben Dutzend Torleuten weitergingen. Die Notlage wurde endgütig in der Rückrunde behoben, als fortan Herbert Feuerstein das Dillinger Gehäuse bewachte.
Mit dem Klassenverbleib gab es keine Probleme. Höhepunkt war am 27. Juni ein Freundschaftsspiel gegen den deutschen Altmeister SpVgg Fürth vor 2.500 Zuschauern, das die Gäste mit knappem 4:3 für sich entschieden.
Im Jubiläumsjahr zum 50-jährigen Vereinsbestehen präsentierten die Schwarz-Weißen eine ungewöhnlich junge Mannschaft, die sich unter Trainer Cerha in der Landesliga Saar einen hervorragenden dritten Abschlussplatz sicherte und für eine lange Zeit das Spielgeschehen bestimmen sollte.

Unter dem Vorsitz von Alois Backes, beruflich Richter am Amtsgericht, beging der Traditionsverein im Sommer 1956 sein großes Jubiläum. In einem Festzelt auf dem Weiß-Kreuz-Stadion konnte man auf fünf Jahrzehnte Dillinger Fußball zurückblicken.



50-jähriges Vereinsjubiläum 1956 - Festzelt Weiß-Kreuz-Stadion
Festansprache durch Präsident Schall -
links: Alois Seiwert, rechts Gründervater Fritz Heidenreich

Ohne Zweifel hatte der Verein für Ballspiele zu diesem Zeitpunkt Fußballgeschichte an der Saar und darüber hinaus geschrieben. Dies war jedoch nur möglich, weil der Verein stets auf eine gute Jugendarbeit Wert legte. Meunier, Rudolf Hector, Franz Mussler, Ernst und Paul Braun waren Männer, die nach dem Grundsatz handelten, dass nur derjenige die Zukunft hat, der die Jugend besitzt.

In der Sportwerbe-Woche gastierte der deutsche Spitzenclub 1. FC Köln mit den Nationalspielern Georg Stollenwerk, Hans Schäfer, Paul Nebus, Ewert, Taschaikowsky und Röhrig in Dillingen.



50-jähriges Vereinsjubiläum 1956

VfB Dillingen gegen 1. FC Köln im Weiß-Kreuz-Stadion

Man sollte zu diesem runden Ereignis nicht vergessen, dass der VfB damals über eine Fechtsport- und eine Tischtennisabteilung verfügte. Die Fechter, bei denen auch heute noch Namen wie Leo Stein, Karl-Heinz Lay oder Helmut Meilchen bewusst sind, vertraten die Farben des VfB in ganz Europa, sogar bei Weltmeisterschaften.
Nicht minder erfolgreich war die Tisch-Tennis-Abteilung, die bis zum Jahre 1969 im VfB verbleiben sollte. Spieler wie Marcel Barra (mehrfacher saarländischer Tischtennismeister), Fritz Schmidt, Edi Chauvin, Willi Trenz, Hans Karrenbauer, Sepp Löffler oder Werner Strauß sind bei den Freunden des weißen Zelluloidballes noch heute ein Begriff. Viele von ihnen sind dem VfB auch in der Gegenwart noch sehr verbunden.

Zu jener Zeit wurde auch dem Autor dieser Zeilen, im zarten Alter von 6 Jahren, der Fußball offenbar. Es war Großvater Josef, den sie alle im VfB nur „Urnausch-Jupp“ nannten, und der ihn an einem Sonntag dazu verlockte, auf die Papiermühle mitzugehen. Die Begeisterung wurde allerdings getrübt, als wir uns vor dem Schlachthof in der Lindenstraße in eine endlose Zweierreihe von Leuten einreihen mussten. Endlich an den Kassenhäusern angekommen, bezahlte Opa beim Kassierer meinen Eintritt mit einer Zigarre, die man damals als „20ziger-Burger-Stumpen“ bezeichnete. Es war „Liebe auf den ersten Blick“ als ich die Anlage betrat. Eine ungeheure Menschenmasse war um ein riesiges Viereck verteilt. Vom Spielgeschehen habe ich, aufgrund der Körpergröße, nicht viel mitbekommen, doch hin und wieder sah ich Dillingens Torwart Herbert Feuerstein durch die Lüfte fliegen. Er und Spieler wie Alfred Paproth, Benito Amorosi, Ernie Maurer, Philipp „Sputnik“ Spang, Ewald Weber, Heinrich Lamma, Sepp Schulz, Rudolf Maas, Benito Candidori und wie sie alle hießen, waren fortan im Bewusstsein unbesiegbare Helden. Verloren sie trotzdem mal ein Spiel, erklärte mir Opa Jupp, dass der Schiedsrichter daran Schuld hatte. Jedenfalls hatte Großvater infolge erhebliche Erklärungsnöte, mich von der Papiermühle fernzuhalten.



die Cerha-Elf im Jubiläumsjahr 1956 – Landesliga Saar
v.l.n.r. Beisitzer Schlosser, Trainer Cerha, Ehm, Micha, Lamma, Hartmann Gerhard, Maurer, Paproth, Lorson, Maas, Betreuer Scharf, Spielausschussvorsitzender Müller,
kniend: Ewen, Feuerstein, Amorosi

Nach den Jubiläumsfestlichkeiten konnte die junge VfB-Elf ihre Qualitäten unter Beweis stellen. Im Spieljahr 1956/57 waren Homburg, Friedrichsthal und die Hellas aus Marpingen ärgste Widersacher. Wir konnten die Runde mit einem beachtlichen vierten Tabellenplatz abschließen. Absolutes „Highlight“ dieser Saison war der Besuch des ungarischen Weltklassefußballers Ferenc Puskas (Real Madrid), der auf der Papiermühle gegen Friedrichsthal den Anstoß vornahm.



Weltklasse-Fußballer Ferenc Puskas im Stadion Papiermühle

Ein Jahr später, wieder hatte Ossi Müller das Trainer-Amt übernommen, hätte der VfB erneut mit dem Titel eines Saarlandmeisters Furore machen können, als die Hüttenstädter, an zweiter Stelle gelegen, im letzten Spiel einen Sieg beim SC Friedrichsthal benötigten. In diesem legendären Match, das von Fifa-Schiedsrichter Dusch (Kaiserslautern) geleitet wurde, unterlagen die Schwarz-Weißen dem SC mit 0:4 und mussten sich mit der Vizemeisterschaft begnügen.
Trost fand man wie immer mit etlichen kühlen „Bierchen“ bei Wirtin Tilly Schneiderlöchner im Vereinslokal Schlosshof in der Hüttenwerkstraße.

Danach fiel das Mannschaftsgefüge völlig auseinander. Fast alle Stammspieler hingen die Schuhe an den Nagel. Über der Papiermühle zogen schwarze Wolken auf und es folgte eine bittere Zeit des Niederganges. Zwar besaß der Verein gute Nachwuchskräfte, doch alle Bemühungen der Fußballstrategen Heinz Hartmann und erneut Ossi Müller waren vergebens. Das Niveau der Klasse war für die jungen Leute eine Schuhnummer zu groß. Im Mai 1962 war der Abstieg, nach zehn erfolgreichen Jahren, aus dem saarländischen Oberhaus Realität geworden.



A-Jugend als Westsaar-Kreismeister 1960 im Weiß-Kreuz-Stadion

(spätere 1. Mannschaft)
v.l.n.r.: Hahn, Amorosi, Volkmann, Burger H., Bach, Spreier, Mohr, Trouvain, Hector, Wirth, Gindorf, Jugendleiter Josef Birger (Kuppe)

Auch in der 2. Amateurliga konnten wir uns nur zwei Jahre halten, wobei es nicht gerade zum Vorteil gereichte, das vier Vereine im Sommer 1964 absteigen mussten und der VfB just den viertletzten Tabellenplatz innehatte. In der A-Klasse Westsaar wurde das Team direkt in die B-Klasse „durchgereicht“. Noch ganze 17 aktive Spieler standen für den Spielbetrieb zur Verfügung und die erhebliche Schuldenlast war erdrückend. Der Traditionsverein hatte den absoluten Tiefpunkt seiner Vereinsgeschichte erreicht.

Trotz vieler Anfechtungen begann Vorsitzender Alois Backes mit einem Team unentwegter VfB´ler wie Rainer Alt, Josef Burger, Fritz Dell und Heinz Spreier den Neuaufbau durch gezielte Breitenarbeit und einer intensiven Förderung der Jugend.
Nach dem „Durchreichen“ konnte der Verein in der B-Klasse Saar (hier waren mit dem SC Pachten, der DJK Pachten und der DJK Dillingen weitere drei städtische Clubs vertreten) wieder Fuß fassen.

Zum Osterfest 1966 feierten wir das 60-jährige Jubiläum mit einem ebenso umfang- wie abwechslungsreichen Sportprogramm. Ehrengast war die befreundete Mannschaft von US Ezanville, einem Zweitligisten aus der Nähe von Paris. Im völlig überfüllten Konzerthaus Zech fanden die Festlichkeiten ihren Abschluss. Die 1. Mannschaft belegte einen guten 5. Tabellenplatz in der B-Klasse.

Der Aufwärtstrend machte sich auch in den Mitgliederzahlen deutlich. Im Jahre 1966 gewann der VfB sage und schreibe 138 Neumitglieder und wurde mit 492 Mitgliedern stärkster Dillinger Verein. Auch die Jugendarbeit trug bereits Früchte. Mit Selzer, Brojetti, Dörrenbächer, Trouvain, Federspiel und Mario und Aldo Amorosi rekrutierte sich die Elf unter Trainer Gerd Scholtes fast ausschließlich aus Nachwuchskräften.
Nach vierzehn Jahren gelang dieser Mannschaft wieder eine Meisterschaft und der Aufstieg in A-Klasse Westsaar. Dem damaligen Favoriten SC Pachten gab man nach packenden Duellen letztlich das Nachsehen.



die Scholtes-Elf- Meistermannschaft 1967 – B-Klasse Saar
v.l.n.r. Spielausschuss Haubrich, Guevel, Selzer, Brojetti, Dörrenbächer, Schmitt, Trouvain, Mario Amorosi, Aldo Amorosi, Federspiel, Trainer Gerd Scholtes,
kniend: Kallmeyer, Glass, Maurer, Ternig

„Man redet wieder vom VfB“ so die Schlagzeile der Presse vom 10. Oktober 1967. In der Tat, durch das gute Abschneiden der Hüttenstädter in der neuen Klasse wurden viele Anhänger wieder vom Fußballfieber erfasst. Am Arbeitsplatz, am Stammtisch oder in Freundeskreisen waren Spielkultur und Kampfgeist der Schwarz-Weißen wieder in aller Munde. Nach der Herbstmeisterschaft als Neuling hatten wir sogar den Meistertitel ins Auge gefasst. Doch vor 1.200 Zuschauern mussten wir uns am 3. Dezember 1967 auf der Papiermühle dem hartnäckigen Widersacher Schwalbach-Griesborn und späteren Meister mit 1:2 geschlagen geben. Die Vizemeisterschaft der „Ersten“, vor allem aber die Saarland-Meisterschaft der A-Jugend wurden gebührend gefeiert. Gegen den Bundesligisten 1 .FC Kaiserslautern kam man zum Gründonnerstag 1968 zu einem ehrenvollen 1:3, wobei Junker den Ehrentreffer erzielte. Pfingstsonntag wurde der hessische Spitzenclub Hanau 93 gar mit 5:2 eliminiert.



Vizemeister A-Klasse Westsaar 1968 im "Real-Look"
v.l.n.r.: Dörrenbächer, Broietti, Cullmann, Gabriel, M. Amorosi, Husung
kniend: Schmitt, Federspiel, A.Amorosi, Maurer, Junker

Zur Saison 1968/69 hatte Horst Meyer das Training der Aktiven übernommen. Die Erwartungen waren nun höher gesteckt, zumal die Verpflichtung des Bundesligaspielers Walter Gawletta (vormals VfB Lübeck, Hannover 96, 1. FC Kaiserslautern, 1. FC Saarbrücken) in saarländischen Sportkreisen wie eine „Bombe“ einschlug. Im März 1969 lagen Saarwellingen, Saarlouis und der VfB punktgleich an der Tabellenspitze. In einem unglaublich spannendem Restprogramm, das einem „Durbridge-Krimi“ entsprach, hatte die SSV aus der Kreisstadt das bessere Nervenkostüm und wurde Meister. Wie im Vorjahr blieb dem VfB nur die Vizemeisterschaft.

Einer der herausragenden Spieler jener Zeit war sicherlich Willi Cullmann. Aus der Jugend des SC Pachten hervorgegangen, schloss er sich 1967 dem VfB an. Sein außerordentliches Talent führte ihn zum Stammspieler in der saarländischen Amateur-Auswahl unter dem späteren Bundestrainer Jupp Derwall. Ehrenvolle Berufungen zu Lehrgängen der deutschen Amateur-Nationalmannschaft in Duisburg-Wedau unter Udo Lattek schlossen sich an. Fünfzehn Jahre trug er das schwarz-weiße Trikot und er war auch wesentlich am späteren Aufstieg in die Oberliga-Südwest beteiligt.




Spielmacher
 Willi Cullmann

Im Juni 1969 konnte Alois Backes, der den Verein über 10 Jahre geführt hatte, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für den Vorsitz kandidieren. Mit seinem leidenschaftlichen Bestreben, aus einem konkursreifen und spielerisch wenig qualitativen Club wieder eine lebensfähige Gemeinschaft zu machen hat er sich unendlich große Verdienste um den VfB erworben. Zu seinem Rücktritt konnte er voller stolz die Saarlandmeisterschaft der C-Jugend unter Jugendleiter Werner Bach und Betreuer Leo Nitrug der begeisterten Generalversammlung verkünden.







Alois Backes
Vorsitzender und Ehrenmitglied 1956 - 1969


„Wir wollen den VfB wieder dahin bringen, wo er hingehört“. Unter diesem Motto unternahm ein neugewählter Vorstand im Juni 1968 unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt Gregor Conrad und seinem Mitstreiter Harry Ladwein einen weiteren Versuch, dem ältesten Westsaar-Verein neue Geltung zu verschaffen.



Schüler-Saarlandmeister 1968/1969
v.l.n.r.: Betreuer Nietrug, Schülein, Reiter H., Sander, Krause, Simon, Ganzion, Biel Ory
kniend: Liedel V., Lauer W., Eisenmann, Nast, Vidmar

Walter Gawletta löste Horst Meyer als Spielertrainer ab.
Der wieselflinke Außenstürmer entfachte fortan eine
Fußballbegeisterung, wie sie nur Ende der 20ziger bzw.
Anfang der 50ziger Jahre zu verzeichnen war.
Die altehrwürdige Papiermühle erlebte einen „Boom“
sondergleichen. Lokalderbys gegen Fraulautern,
Hülzweiler, Merzig oder Ensdorf sahen 4.000 bis 5.000
Zuschauer. Die durchschnittliche Besucherzahl der Spiele
steigerte sich in den Folgejahren auf 1.200.





Walter Gawletta
Spieler und Meister-Trainer
1968 - 1973

Unter Gawletta marschierte das neuformierte Team mit den Verstärkungen Omlor, Gabriel, Lonsdorfer, Altmaier, Loris, Heinrich, Schmitt und Keeper Fontaine unaufhaltsam der Meisterschaft entgegen. Schon im September 1969 vermeldete die Saarbrücker Zeitung:“ Gegen die Hüttenstädter findet keiner mehr ein Rezept“. Zwei Spieltage vor Saisonende stand der VfB Dillingen als Meister der A-Klasse Westsaar fest.
Die Mannschaft blieb zu Hause ungeschlagen und erzielte 101 Treffer. Wochen später folgte in Eppelborn der Saarlandmeistertitel aller A-Klassen gegen den FC St.Wendel. In zahlreichen Freundschaftsspielen gegen die „Creme“ der überregionalen Fußballszene stellte das Team mit teilweise zweistelligen Ergebnissen ihr Können unter Beweis. Nach einem 0:6-Debakel des amtierenden Saarland-Ligameisters SV Fraulautern schwärmte der Kolumnist der Saar-Zeitung: „Den VfB, den hab ich stürmen sehn, Fraulautern sah ich baden gehen“.
Bei der Meisterschaftsfeier in der Stadthalle war sogar der ehemalige Bundeskanzler Dr. Kurt Georg Kiesinger zugegen, der prompt Mitglied im VfB wurde.




die Gawletta-Elf I – Meister der A-Klasse Westsaar 1970
und Aufsteiger in die II. Amateurliga

v.l.n.r. Betreuer Rau, Spielausschussvorsitzender Bouché, Heinrich, Hussung, Cullmann, Schmitt W., Dörrenbächer, Spath, Loris, Trainer Gawletta, Vorsitzender Conrad,
kniend: Hartmann, Burger, Gabriel R., Fontaine, Bies, Amorosi A., Omlor, Lonsdorfer, Altmaier

Erfreulicherweise konnten wir auch im neuen Umfeld der II. Amateurliga Saar auf den bewährten Stamm der Meisterelf zurückgreifen. Lediglich Rüdiger Paulus von der DJK Dillingen ergänzte das Team, dessen Durchschnittsalter gerade mal 23 Jahre betrug.
Die Saison 1970/71 sollte als das „Auersmacher-Jahr“ in die Geschichte eingehen. Schon zum Start lieferten sich die Schwarz-Weißen als Klassen-Neuling mit der Südsaar-Elf einen erbitterten Zweikampf an der Tabellenspitze. Aufgrund der riesigen Zuschauermassen barst die alte Papiermühle aus allen Nähten. Es gab bei den Heimspielen im gesamten Umfeld schwerwiegende Verkehrsprobleme, die nur noch durch erhöhten Polizeieinsatz zu bewältigen waren. Die Fans forderten vehement neue Zugänge, da sie schon Stunden vorher an den Kassenhäusern in der Schlange standen. Am 8. November 1970 besiegte der VfB Tabellenführer Auersmacher auf dessen Gelände mit 2:1 und wurde Herbstmeister. Die Euphorie in der Hüttenstadt war nicht mehr zu Toppen. Im Rückspiel am 2.5.1971 kam es auf der Papiermühle zum „High-Noon“ beider Konkurrenten. Vor rund 5.000 Zuschauern entschied Auersmacher mit seinem überragenden Spielmacher Dier das Duell und die Meisterschaft, aufgrund der besseren Tagesform, klar mit 4:1 für sich.
Es war sicherlich eine der bittersten Niederlagen der Vereinsgeschichte, die jedoch von den Aktiven im olympischen Geist verkraftet wurde. Unterstützung erhielt man auch von der heimischen Presse, die tags darauf verkündete: „ Kopf hoch, wir Hüttenstädter sind stolz auf Euch“ und mit vollem Ehrgeiz schritt Trainer Gawletta zu neuen Taten. Mit den Neuzugängen Haßenteufel, Spath, Jost, Hahn und Potempa wurde die Elf wesentlich verstärkt.

Mit einem Paukenschlag gegen den Absteiger aus der I. Amateurliga, dem FV Diefflen (4:0) eröffnete der VfB die neuerliche Saison. Nach einem Drittel der Pflichtspiele führten wir wieder souverän die Tabelle an. Einziger Verfolger war die SpVgg Merzig, die mit aller Macht den Aufwärtstrend stoppen wollte. Bis zum 20. Spieltag blieb das Gawletta-Team ungeschlagen. Dann erlitt der Tabellenführer in Gersweiler eine unnötige 0:2-Niederlage und verlor zu Hause das Spitzenspiel gegen Merzig vor 4.000 Zuschauern mit 0:1. Eine Vorentscheidung brachte der vorletzte Spieltag. Merzig kam in Diefflen nicht über ein Remis hinaus und Dillingen siegte 1:0 in Saarlouis. Ein Remis in Köllerbach genügte dem VfB anschließend zum Triumph. Wir waren Meister der II. Amateurliga. Die Saarbrücker Zeitung verkündete das Ereignis mit der Schlagzeile: „Dillingen zurück zu altem Glanz“.




die Gawletta-Elf II – Meister der II. Amateurliga 1972
und Aufsteiger in die Verbandsliga

v.l.n.r. Betreuer Rau, Jost, Amorosi A., Dorrenbächer, Paulus, Haßenteufel, Husung, Candidori, Spath, Spielausschussvorsitzender Bouché
kniend: Masseur Müller, Trainer Gawletta, Gabriel Rudolf, Hahn, Fontaine, Franz, Altmaier, Potempa

Endlich wieder in der I. Amateurliga (heute Verbandsliga) entpuppten sich die Hüttenstädter sogleich als absoluter Favoritenschreck. Selbst Titelanwärter wie Fraulautern, Ensdorf oder Ludweiler hatten gegen den Neuling nichts zu bestellen. Der „Gawletta-Express“ war nicht zu bremsen und eroberte nach fünf Spieltagen mit 10:0-Punkten die Tabellenspitze.
Erst die Amateure des FC Homburg konnten im Oktober 1972 die Erfolgsserie im Waldstadion stoppen. Als das Spitzenspiel gegen Ludweiler (2:0) aufgrund der miserablen Platzverhältnisse auf der Papiermühle in einer einzigen Staubwolke unterging, appellierte die Presse: „Stadtväter, lasst endlich Gras wachsen“. Der sehnliche Wunsch der Fußballfans für den Umbau der Papiermühle zu einem Rasenplatz führte zu hitzigen Diskussionen im Rat der Stadt, blieb aber unerfüllt. Mit dem lapidaren Kommentar von Bürgermeister Jakobs: „ Es wird heute und morgen in Dillingen keinen Rasenplatz geben“ war das Thema ad acta gelegt. Zudem fehlte dem Verein die “politische „Lobby“, um ein solches Projekt durchsetzen zu können.

Nach einer kleinen Durststrecke war die Mannschaft, aufgrund eines 5:1-Kantersieges gegen den späteren Meister FC Ensdorf, wieder obenauf. Auch Spitzenreiter Hülzweiler musste im November 1972 im heimischen „Sanken“ die Segel streichen. Als auch noch der SV Fraulautern auf dem „Großen Sand“ vor 3.500 Zuschauern mit 3:1 bezwungen wurde war man erneut Klassenprimus. Eine Heimniederlage gegen die Homburger Amateure machte allen Meisterschaftsträumen ein Ende. Der dritte Tabellenplatz als Neuling war jedoch ein Riesenerfolg, wodurch auch die Qualifikation für den DFB-Pokal erreicht wurde. Zudem wurde Mittelstürmer Peter Nagel Torschützenkönig der Liga.


In der ersten Hauptrunde um den DFB-Vereinspokal bescherte uns das Losglück den Regionalligisten 1. FC Saarbrücken. Am 29. Juli 1973 kam es auf der mit 3.800 Zuschauern gut bestückten Papiermühle zu einer echten Pokalsensation. Durch Treffer von Nico Klauck und Dieter Junker bezwangen wir die hochfavorisierten Malstätter mit 2:1. Der Sieger trat in folgender Aufstellung an: Wiesen, Biehl, Hussong, Gabriel, Haßenteufel, Klauck N., Scheidt, Hahn, Nagel, Ney, Junker, Paulus und Cullmann.
Auch in der zweiten Pokalrunde gegen den Regionalligisten Röchling Völklingen hielt die Gawletta-Elf hervorragend mit, schied aber durch zwei Weschke-Treffer mit 0:2 aus dem Wettbewerb aus.

Mit den Neuzugängen Wiesen (Büschfeld), Ney (Fraulautern), Scheidt (Saarbrücken) und den Gebr. Klauck (Erbringen), gingen wir im Sommer 1973 gestärkt ins zweite Jahr der I. Amateurliga. Auch in dieser Runde konnte die Mannschaft bis zum Schluss im Titelrennen mithalten und wurde wie im Vorjahr erneut Dritter. Am vorletzten Spieltag in Friedrichsthal verkündete Trainer Gawletta überraschend seinen Rücktritt. Differenzen mit dem Spielausschussvorsitzenden Gellenberg und eine interne Spielerbefragung über die Zukunft des Trainers dürften ihn zu diesem Schritt bewogen haben. Die Ära Gawletta war damit abrupt beendet. Zu diesem Zeitpunkt war der Coach jedoch längst zu einer lebenden Legende im Dillinger Fußball geworden.

In der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals mussten wir beim niedersächsischen Landesligisten TSV Ersen antreten und gewannen mit 1:0. In der zweiten Runde trafen wir auf den dreifachen deutschen Amateurmeister SC Jülich. Da für DFB-Pokalspiele Rasen Pflicht war, musste der VfB nach Fraulautern ausweichen und erreichte ein 2:2-Remis. Das notwendige Rückspiel in Jülich ging leider mit 0:4 verloren.

In der Saison 1974/75 wurde die I. Amateurliga in Saarland-Liga umbenannt. Neuer Trainer an der Papiermühle wurde Hans Neuerburg (vormals Sportfreunde Saarbrücken), der allerdings recht glücklos agierte. Die Mannschaft dümpelte meist im unteren Tabellendrittel, sicherte sich am Ende aber doch noch den neunten Tabellenplatz.


Nach Jahren erfolgreicher Tätigkeit stellte der bisherige Vorstand unter Gregor Conrad im Frühjahr 1975 seine Ämter zur Verfügung. Im März 1975 übernahm der gebürtige Bexbacher Hugo Bouché, vormals Spielausschussvorsitzender, die Geschicke des Vereins. Es war nicht nur ein Umbruch in der Führungsspitze, sondern auch im Spielbetrieb. Zahlreiche Abgänge im Kader und erhebliche finanzielle Probleme standen zur Bewältigung an. Auch im Jugendbereich, unter Führung von Hartmut Burger, Walter Maurer und Gerd Strauß wurde ein totaler Neuaufbau in Angriff genommen. Der unvergessene Herbert Schmidt übernahm den Spielausschuss. Als neuer Trainer konnte der ehemalige Bundesliga-Profi Horst Remark (vormals 1.FC Saarbrücken) verpflichtet werden.


Gregor Conrad
Vorsitzender
1969 - 1975


Zum Saisonstart in der Saarlandliga präsentierte der Verein gegen Ensdorf seine neue Stadionzeitung „VfB-Nachrichten“. Das war nichts ausgesprochen Neues, denn wie bereits erwähnt, gab es ein solches Organ schon mal Anfang der 50ziger-Jahre, für die Neuzeit im Amateurbereich aber war es einmalig. Noch heute erinnern sich die Gründerväter wie Gerd Strauß, Arnold Wiltz, Hans Dieter Scharf, Roland Hahn, Hugo Bouché und der Autor, gewappnet mit einer „Gabriele-Kofferreise-Schreibmaschine“, gerne an die etlichen nächtlichen Redaktionssitzungen im Nebenzimmer des Vereinslokales „Fischerhof“. Unsere VfB-Nachrichten feierten im vergangenen Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum. Auch darauf kann der Verein stolz sein.

Im Spieljahr 1975/76 kam erschwerend hinzu, dass die Mannschaft die komplette Vorrunde auf dem Weiß-Kreuz-Stadion austragen musste, da die Papiermühle mit einer neue Spieldecke versehen wurde. Nach gutem Start sah sich die Remark-Elf schon bald im Tabellenkeller und erst am 16. Spieltag gelang in Auersmacher mit einem 3:0 die Wende. Der VfB startete zu einem imposanten Höhenflug und konnte am 26. April 1976 mit dem 13. Tabellenplatz den Klassenverbleib sichern. Die 1. Mannschaft spielte vorwiegend in der Besetzung: Klauck, Backes, Eisenmann, Fleischer, Schlichter, Reiter H., Quinten, Lauer, Krause, Altmaier, Hahn, Emmerich, Biel und Zimmer.



Im Spieljahr 1975/76 kam erschwerend hinzu, dass die Mannschaft die komplette Vorrunde auf dem Weiß-Kreuz-Stadion austragen musste, da die Papiermühle mit einer neue Spieldecke versehen wurde. Nach gutem Start sah sich die Remark-Elf schon bald im Tabellenkeller und erst am 16. Spieltag gelang in Auersmacher mit einem 3:0 die Wende. Der VfB startete zu einem imposanten Höhenflug und konnte am 26. April 1976 mit dem 13. Tabellenplatz den Klassenverbleib sichern. Die 1. Mannschaft spielte vorwiegend in der Besetzung: Klauck, Backes, Eisenmann, Fleischer, Schlichter, Reiter H., Quinten, Lauer, Krause, Altmaier, Hahn, Emmerich, Biel und Zimmer.

In kleinem, aber recht familiären Rahmen feierte der VfB im Juni 1976 sein 70-jähriges Vereinjubiläum mit einem Festzelt auf der Papiermühle. Mit berechtigtem Stolz konnte der Vorstand auf mittlerweile 193 Jugendliche verweisen.
Abwehr-Recke Eisenmann
im Zweikampf gegen Weiskirchens Torjäger Dietrich


Zum Saisonstart 76/77 blieben die Remark-Buben in den Startlöchern sitzen und wurden vom Verletzungspech verfolgt. Doch auf die Leistungsträger wie die Gebrüder Klauck, Hahn, Emmerich und den von der SpVgg Merzig verpflichteten Hans Hein war Verlass. „Die Richtung stimmt“ verkündete die Lokalpresse nach einem 9:1-Kantersieg gegen Saar 05 im November 1976.
Zu Ostern fand die langjährige Partnerschaft mit dem Pariser Fußballclub USA Clichy neue Belebung. Beim Osterturnier erlebten Aktive und Funktionäre wieder einmal unvergessene Tage in der Stadt der Liebe. Nur aufgrund des allzu üppigen Weingenusses beim vorabendlichen Festbankett, verlor der VfB das Endspiel gegen die Profis vom FC Rouen mit 1:2

In der Generalversammlung vom 25. März 1977 wurde Alois Burger, ehemaliger Aktiver, Vorstandsmitglied und Förderer zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt.
Die erste Mannschaft schloss mit dem 6. Tabellenplatz ab. Die Jugendabteilung feierte mit B-C1-,C2, und F-Jugend gleich vier Meistertitel.

Im gleichen Jahr ging ein langgehegter Wunsch der Schwarz-Weißen in Erfüllung. Im Sportpark West wurde von der Stadt endlich ein Rasenstadion fertiggestellt. So groß die Freude beim Anhang über eine überbedachte Tribüne und die Spieler über das satte „Grün“ waren, so sollte das Parkstadion künftig als schwere Bürde auf dem Verein lasten, zumal die Stadt erhebliche Benutzungsgebühren in Rechnung stellte, die Vermarktung der Werberechte aber allen Dillinger Vereinen zukommen ließ. Zudem blieben weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur wie Flutlichtanlage, Ausbau der Stehränge und Anlage eines Tennenplatzes aus. Der „Park“ blieb bis heute ein Torso.

Die Fußballsaison 1977/78 stand unter besonderen Aspekten. Als Unterbau zur 2. Bundesliga schuf der DFB eine neue Liga, die Amateur-Oberliga-Südwest, von der sich Verbände und Vereine neue, sportliche Impulse erhofften. Für die Verbandsligisten galt es, sich für das neue Oberhaus zu qualifizieren.
Die Konkurrenz war mit gestandenen Clubs wie Borussia Neunkirchen, Röchling Völklingen, Ensdorf, Theley oder Dudweiler sehr groß. Doch Horst Remark hatte mittlerweile ein Team geformt, das in diesem Reigen mithalten konnte. Die Leistungen seiner Truppe wurden in Presse, Rundfunk und gar im Fernsehen gebührend honoriert. Im Oktober sah die Tabelle die Hüttenstädter Neunkirchen, Völklingen und Dillingen als Spitzentrio.



Selbst Bundesligist Borussia Dortmund ließ es sich am 30. Oktober 1977 nicht nehmen, im Parkstadion mit Trainer Otto Rehhagel und den Assen wie Lippens, Held, Kostedde, Burgsmüller, Votava oder Huber eine Stippvisite zu absolvieren.



Szene aus VfB Dillingen - Borussia Dortmund
Keeper Matz Klauck kann klären

Die Remark-Crew mit Mannschaftkapitän Heinz Zimmer ging auch nach der Winterpause konsequent ihren Weg. Mit einem spektakulären 5:1 in Saarwellingen legten wir letztlich den Grundstein zum Aufstieg in die höchste deutsche Amateurklasse. Als Tabellenvierter hatte man sich gemeinsam mit Meister Neunkirchen, Völklingen, St.Wendel, Dudweiler und Auersmacher qualifiziert.

Es war zweifelsohne ein neuerlicher Meilenstein in der Geschichte unseres Traditionsvereins. Der Verein vertrat nun Stadt und Umfeld im gesamten südwestdeutschen Raum. Homogenität, Spielwitz, Einsatzwille und eine ausgezeichnete kämpferische Einstellung waren die Grundlagen für diesen großartigen Erfolg. Wochen später gewann die Mannschaft den mit 20.000,-- DM dotierten Jahrhundertpokal der Karlsberg-Brauerei in Reiskirchen.



Remark-Elf – Aufstiegsmannschaft zur Oberliga Südwest 1978
v.l.n.r. Trainer Remark, Vorsitzender Bouché, Fleicher, Karrenbauer, Hein, Haßenteufel, Klauck N., Cullmann, Ackermann, Eisenmann, Betreuer Lauer, Spielausschussvor-sitzender Schmidt
kniend: Betreuer Molter, Masseur Storck, Altmaier, Emmerich, Klauck M., Hahn, Reiter H., Zimmer


Einer der besten im Team war sicherlich Hans Hein. Die Leichtfüßigkeit, das intelligente Kurzpassspiel und die enorme Kopfballstärke lassen den Autor noch heute von dieser Ausnahmeerscheinung schwärmen. Kein Wunder, Hein war nach dieser Saison nicht mehr zu halten und wechselte zu Waldhof Mannheim in die Bundesliga.

Leider hing auch der schussgewaltige Goalgetter Günter Fleischer die Schuhe an den Nagel.

Mit vier Meisterschaften in den Jugendklassen konnte die Jugendabteilung unter Leiter Hartmut Burger aufwarten.

Natürlich war es damals auch dem treuesten Fan bewusst, dass es den Schwarz-Weißen schwer fallen würde, sich gegen Mitkonkurrenten wie Mainz 05, FK Pirmasens, Hassia Bingen, Eintracht Bad Kreuznach oder TuS Neuendorf behaupten zu können






Hans Hein (links) in Aktion
(Ablösespiel gegen Bundesligist Waldhof Mannheim 1978)

Zur Vorbereitung der Oberliga-Saison waren die „Roten Teufel „ vom 1.FC Kaiserslautern mit Trainer Feldkamp und etlichen Nationalspielern wie Bongartz, Toppmöller, Briegel, Geye und dem schwedischen Star-Keeper Hellström Gast im Parkstadion. Dillingen schlug sich wacker und verlor „nur“ 0:10.

Nationalspieler Toppmöller
erzielt das 1:0 - Zott und Klauck haben das Nachsehen
Szene aus VfB gegn 1. FC Kaiserslautern 1978


Zum Auftakt der Oberliga-Saison ging der VfB bei den „kleinen Teufeln“ (Amateure) mit 1:8 auf dem Betzenberg unter. Voller Verzweiflung signalisierte der Autor, seinem im Italien-Urlaub befindlichen Vorsitzenden Bouché: „Lieber Hugo, in dieser Klasse haben wir nichts, aber auch gar nichts verloren.“. Nach dem Heimsieg gegen Glas-Chemie Wirges sah die Welt aber wieder rosiger aus. Zwar mussten die Remark-Buben auch infolge noch viel Lehrgeld bezahlen, doch konnte man sich von Spieltag zu Spieltag an das höhere Niveau der Klasse gewöhnen. Mit einem 1:0 in Eisbachtal und ein „Glanzstück“ im Park gegen Südwest Ludwigshafen (3:1) legten wir den Grundstein zum Klassenverbleib, allen Unkenrufen zum Trotz. Die Abschlusstabelle hatte folgendes Bild:

Zum Saisonstart ins zweite Jahr der Oberliga-Südwest mussten wir auf die Leistungsträger Emmerich und Matthias Klauck, die zu den Zweit-Bundesligisten Saarbrücken und Völklingen wechselten, sowie Routinier Hahn verzichten. Trotz der Rückkehr von Haßenteufel und Torwart Wiesen, den Neuzugängen Willems, Steimer, Hein, Simon und Gimmler sowie Hesslinger und Schwer aus der eigenen Jugend, besaß die Truppe nicht mehr die Güte ihrer Vorgänger.

Nach einer 0:5-Niederlage in Salmrohr verbuchten die Schwarz-Weißen den letzten Tabellenplatz und der Vorstand trennte sich von Trainer Remark. Als Nachfolger agierte Adi Mischler (vorher SV Konfeld). Mit der Verpflichtung des Ex-Profis Dieter „Steps“ Weinkauff (Borussia Dortmund, FK Pirmasens), warf der Vorstand einen letzten Rettungsanker zum Klassenerhalt. Zu spät, im Mai 1980 mussten wir der Oberliga Ade sagen.

Wieder im altvertrauten Umfeld der Verbandsliga angekommen, gelang es, Dieter Weinkauff als Spieltrainer zu gewinnen. Hinzu kam, dass sich mit Heinz Bissport ein überragender Mittelfeldstratege vom FK Pirmasens dem Kader hinzugesellte.
Schon bald formte „Steps“ mit seiner Erfahrung und Routine eine Truppe, die alle VfB-Herzen wieder höher schlagen ließ. Im Verlauf der Runde lieferten sich die Schwarz-Weißen ein ungemein spannendes Duell mit dem SV Hasborn an der Tabellenspitze.

Am letzten Spieltag trafen just beide Kontrahenten im Dillinger Parkstadion aufeinander. Vor der Rekordkulisse von 5.000 Zuschauern benötigten wir einen Sieg, gingen auch durch Hesslinger mit 1:0 in Führung, doch die Rot-Weißen bewiesen die bessere Tagesform und siegten am Ende verdient mit 3:1. Der direkte Wiederaufstieg in die Oberliga war damit gescheitert und die Enttäuschung der Anhängerschaft riesengroß.



die Weinkauff-Elf – Vizemeister der Verbandsliga Saar 1981
v.l.n.r. Trainer Weinkauff, Michely, Eisenmann, Steimer, Ackermann, Tritz, Scherer, Klauck N., Zott, Bissport.
kniend: Sauer, Simon, Gehl, Wiesen, Beckinger, Hesslinger, Willems, Lonsdorfer

Dass die Reservemannschaft unter Kapitän Willi Cullmann mit 61:7 Punkten und einem sagenhaften Torverhältnis von 215:37 Toren Meister wurde, blieb ein schwacher Trost.

Auch in anderer Hinsicht als im Sportlichen ging das Jahr 1981 in die Analen des Vereins ein. Zum 75jährigen Vereinsjubiläum wurde das neue Clubheim mit eigener Gastronomie an der Papiermühle seiner Bestimmung übergeben, womit ein langgehegter Herzenswunsch der VfB-Familie in Erfüllung ging. Nach neunmonatiger Fertigungszeit unter „Baumeister“ Heinz Gindorf zollten SFV-Präsident Dr. Ollmann und Kurt Gluding als Chef der Sportplanungskommission vor allem der großartigen Eigenleistung der Mitglieder, und hier sind die Kameraden der AH mit Charly Spreier an der Spitze besonders zu nennen, höchstes Lob. Zweifellos kann man feststellen, dass ohne diese Maßnahme, der Verein heute wohl nicht mehr existent wäre. Der Festkommers zum 75jährigen Vereinsjubiläum fand im Casino der Firma Lauer statt. Der Unternehmer Alois Lauer, ein großer Förderer des Jugendsports und Sponsor des Vereins wurde, aufgrund seiner Verdienste, zum Ehrenmitglied des VfB ernannt. Als Spitzenteam gastierte Bundesligist Kickers Offenbach im Parkstadion, den eine Kombination Hasborn/Dillingen überraschend mit 5:3 bezwang.

Zur Spielrunde 1981/82 übernahm „Urgestein“ Horst Feilen die 1. Mannschaft, die nach der verpatzten Meisterschaft, einen gewaltigen Aderlass erfuhr. Umso bemerkenswerter war das Abschneiden der Elf, die einen 6. Tabellenplatz erreichte. Höhepunkt dabei war sicherlich der 4:1-Sieg gegen den späteren Meister FC St. Wendel.
Zudem war der VfB am 29.9.1981 Ausrichter des Europameisterschaftsspieles der Jugendnationalmannschaft zwischen Deutschland und Luxemburg. Vor der Kulisse von 9.500 Zuschauer, noch heute Rekord im Park, war selbst Nationaltrainer Berti Vogts hellauf begeistert. Es war eine gelungene Veranstaltung und ein großer Tag im Dillinger Fußball.

Im Juni 1982 wurde Gerd Spath, Mitglied der Meistermannschaften 1970/1972 neuer Coach an der Papiermühle. 19 Zugänge, darunter Uwe Klein, die Gebrüder Rau, Paquet, Hauser, Steimer ,Habermann und viele aus dem eigenen Nachwuchs, galt es, ins Gefüge einzubinden. Das Durchschnittsalter lag bei 21 Jahren. Durch außergewöhnliche und schwere Sportverletzungen zahlreicher Aktiver verlief die Vorrunde alles andere als erfolgreich. Erst zu Weihnachten lag das Team wieder im Soll. Spath´s große Stütze war dabei Rainer Michely, der seit Jahren als „Kämpfertyp“ mit großer Leidenschaft der Abwehrreihe den nötigen Rückhalt gab.
In der Rückrunde fand die Elf endgültig ihren Rhythmus und eroberte sich mit 42:26 Punkten und 83:52 Toren einen ausgezeichneten fünften Platz in der Verbandsliga.


Zum großen Bedauern des Vorstandes und der Anhänger war Gerd Spath für ein weiteres Jahr als Trainer nicht mehr zu bewegen. Mit Bernard „Hicky“ Gehl und Rainer Michely (Elversberg) verlor der Club seine wichtigsten Leistungsträger.
Der Saarländische Fußballverband vermeldete einen Rekord bei Vereinswechsel von Aktiven. Schwindelerregende Ablösesummen standen zur Debatte. In diesem Reigen konnte der VfB nicht mehr mithalten. Gleichzeitig gingen die Zuschauerzahlen rapide zurück. Die Kommandobrücke an der Papiermühle übernahm erneut der 47jährige Horst Remark.
Schon der Saisonstart 1983/84 brachte die Elf in Zugzwang. Wieder war es eine endlose Verletzungsserie, die uns so dezimierte, dass selbst die „Oldtimer“ Cullmann und Altmaier nochmals die Stiefel schnüren mussten. Mit ihrer Hilfe konnte das Klassement mit dem dürftigen 13. Tabellenplatz abgeschlossen werden.
Die B-Jugend wurde unter Trainer Dieter Büchel Meister der Bezirksliga West und stieg in die Verbandsliga auf. Auch die beiden E-Jugend-Mannschaften schmückten sich in ihren Klassen mit dem Meistertitel. A-und C-Jugend unter den Trainern Lonsdorfer und Omlor wurden jeweils Vizemeister.
Im sogenannten „Heko-Pokalturnier“ war der Bundesligist Waldhof Mannheim mit Star-Trainer Klaus Schlappner Gast im Parkstadion. Vor 2.000 Zuschauern hielten die Remark-Buben wacker mit. Erst mit einem „Wembley-Tor“ von Thomas Remark, dem Sohn des VfB-Coaches , gewannen die Profis glücklich mit 3:2.

Der 60. Geburtstag unseres „Alt-Internationalen“ Günter Lauer am 20. Januar 1984 gibt dem Autor Anlass, in dieser Chronik auch einmal die „Alten Herren“ (AH) in Erinnerung zu rufen. Lauer, der seine Laufbahn in Magdeburg und bei Racing Straßburg begann, gründete 1964 die AH-Abteilung und war über zwanzig Jahre mit seinen Mitstreitern Horst Feilen und Rainer Alt Vorsitzender. Über die vortrefflich organisierten Vereinsausflüge in den Schwarzwald, an die Mosel oder ins benachbarte Frankreich, bei denen die grauen „Eminenzen“ vor allem in der 3. Halbzeit bei reichlich Gerstensaft und den unvermeidlichen „Kurzen“ zu Höchstform aufliefen, sind Anekdoten verzeichnet, die eine ganze Festzeitschrift füllen würden.
Es war eine herrliche Zeit, die der Autor als „Jungspund“ miterleben durfte.

Die Saison 1984/85 war erneut von einigen Turbulenzen gezeichnet. Schon zur Premiere gegen Hülzweiler prognostizierte Vorsitzender Bouché eine „Schlechtwetterlage“ in den VfB-Nachrichten, obwohl mit dem oberligaerfahrenen Josef Groß und dem talentierten Eigengewächs Jürgen Staretztek die Offensive Verstärkung erhielt. Da die Mannschaft vor allem zu Hause nicht überzeugen konnte und infolge immer mehr den Glauben an die eigene Leistung verlor, beugte sich der Vorstand der anhaltenden Kritik mit der erneuten Ablösung von Trainer Remark. Veteran Horst Feilen füllte nochmals die Lücke als Coach aus und bewirkte mit neuer Motivation noch eine positive Bilanz dieses Spieljahres. Überhaupt gilt diesem Sportkameraden besondere Anerkennung. Ob als Aktiver, AH-Spieler, Jugendleiter, Trainer, Spielausschussvorsitzender bis hin zum Platzwart, für nichts war sich der „Multi-Funktionär“ für seine geliebten Schwarz-Weißen zu schade. Ein leidenschaftliches Engagement, das man so wohl nie mehr wieder finden wird.


Am 15. März 1985 stand für den Verein eine Wachablösung ins Haus. Nach zehnjähriger Präsidentschaft schied Vorsitzender Bouché, dessen Markenzeichen die „Zigarre“ war, aus seinem Amt aus. Neben den vielen sportlichen Erfolgen wird seine Ära mit der Verwirklichung des Rasenstadions, der Herausgabe der VfB-Nachrichten und dem Bau des Clubheims in Erinnerung bleiben. Für seine Verdienste wurde er zum Ehrenmitglied ernannt und leitete später den Förderkreis des Vereins. In der Generalversammlung wurde der Architekt Peter Gergen zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Prägten den VfB über zwei Jahrzehnte
Hugo Bouché
(links) und Peter Gergen (rechts)
Vorsitzende und Ehrenmitglieder
1975 - 1995

Mit Manfred Klein (vormals Elversberg, Hemmersdorf, Ensdorf), präsentierte der neue Vorstand auch gleich einen neuen Mann auf der Kommandobrücke. Mit der Rückkehr von Rainer Michely, den Neulingen Seger, Tabellion, Fritz, Torwart Schwinn und den Nachwuchskräften Spoerl und Schellenbach erfuhr die 1. Mannschaft wesentliche Verstärkungen. Zum Saisonauftakt imponierte die Klein-Elf mit einem sensationellen 3:2-Sieg gegen den Bundesligisten 1. FC Saarbrücken. Prominentester Gast im Parkstadion war dabei der ehemalige Erfolgs-Coach Max Merkel. Trotz einer längeren Durststrecke in der Vorrunde fand die 1. Mannschaft noch vor Jahresfrist immer besser ihren Rhythmus und setzte sich im oberen Tabellendrittel fest.

Ein schwerer Schlag für die Aktiven und den Verein war der Tod von Herbert Schmidt am 15. Januar 1986. Der bei allen äußerst beliebte Funktionär lenkte über zehn Jahr die sportlichen Geschicke als Spielausschussvorsitzender. Die Rückrunde verlief für die Klein-Truppe eher durchwachsen. Mit 39:29 Punkten und einem Torverhältnis von 68:52 belegten wir den 6. Tabellenplatz in der Verbandsliga. Die A-Jugend unter Trainer Heinz Omlor wurde Meister der Kreisliga Westsaar und stieg in die Bezirksliga auf. Die Meisterelf erzielte in 26 Spielen 109 Tore, im Jahr des 80-jährigen Vereinjubiläums ein weithin beachtetes Erfolgserlebnis.

Mit weiteren Verstärkungen wie Pauli, Ripplinger, Ackermann, Reiter F., und den Eigengewächsen Fechler und Armbrus strebte Trainer Klein im zweiten Jahr höhere Ziele an. Die gute Vorbereitung, u.a. ein 1:1 gegen den Bundesligisten FC Homburg, brachte dem Team erhebliche Vorschusslorbeeren ein. Von Insidern wurde man sogar als Titelfavorit gehandelt. Bis Weihnachten 1986 hatten die Fans allen Grund zum Jubeln. Die Elf zeigte, trotz erheblicher Verletzungssorgen, hervorragende Leistungen und belegte am 22. Spieltag den 2. Platz hinter Tabellenführer Hasborn.
Die höchst unerfreuliche Kunde, dass Trainer Manfred Klein zum Ende der Saison die Schwarz-Weißen in Richtung Mettlach verlassen würde, führte in seinem Team zu einem Bruch. In acht Spielen verbuchten wir keinen einzigen Erfolg. Am Schluss waren wir Achter in der Tabelle, was den hohen Erwartungen in keiner Weise entsprach. Im Saarland-Pokal sorgte das Klein-Team allerdings für Furore.

Nach Siegen über Mettlach und Hilbringen gewann man auch das Halbfinale auf dem Saarbrücker Kieselhumes gegen Saar 05 mit 4:3 und so fand man sich am 4. Juni 1987 im Endspiel gegen den SV St.Ingbert wieder. Im Eppelborner Stadion unterlag der VfB dem Klassenkonkurrenten, trotz teilweise drückender Überlegenheit, knapp mit 2:1. Otmar Hesslinger erzielte den Ehrentreffer. Einziger Trost für Mannschaft und Anhänger war die Tatsache, dass man als unterlegener Finalist an der 1. DFB-Pokalhauptrunde teilnehmen durfte.

Klein-Team 1987 Verbandsliga Saar
v.l.n.r. Trainer Klein, Masseur Reuter, Pauli, Stein, Seger, Hesslinger, Fechler, Tabellion, Klein, Betreuer Fritz, 2. Vorsitzender Gellenberg
kniend: Ackermann, Lonsdorfer, Staretzek, Ambrus, Schellenbach, Schwinn, Müller, Freichel, Musumarra

Einen riesigen Erfolg verbuchte die Jugendleitung unter Dietmar Haffner. Die A-Jugend wurde auf Anhieb Meister der Bezirksliga West mit einer einzigen Niederlage und stieg in die Verbandsliga auf. Die Jugendelf wurde damals von Manfred Klein, dem Trainer der 1. Mannschaft und Betreuer Armin Junk geleitet. Trotz Doppelbelastung war es Klein gelungen, eine Jugendmannschaft aufzubauen, wie man sie selten an der Papiermühle gesehen hat. Das Meisterteam spielte in folgender Formation: Schnubel, Bodinet, Pfaff, Klein, Tolksdorff, Cullmann, Drumm, Amorosi, Haffner, Schenck, Mosbach, Kirsch, Ötzel, Michel und Haase.

Eine totale Abkehr langjähriger Praktiken bei der Verpflichtung neuer Spieler stellte die Saison 1987/88 beim VfB dar. Acht A-Jugendliche aus dem eigenen Nachwuchs mussten durch Neu-Trainer Joachim Kraiczy (Sportlehrer und ehemals Aktiver bei Stal Rzeszow und Legia Warschau, zuletzt Coach des FV Lebach) integriert werden. Dieser „junge VfB“ (Durchschnittsalter 20 Jahre und damit jüngstes Verbandsliga-Team) wird keine Bäume ausreißen können, vermutete Hans-Albert Zimmer als Spielausschussvorsitzender zum Saisonstart. Die Feuertaufe mussten die „Youngster“ in der 1. Hauptrunde um den DFB-Pokal gegen den württembergischen Verbandsligisten TSG Giengen bestehen. Durch einen Konter in der 67. Minute verloren wir die Partie, obwohl das Geschehen über weite Strecken durch die Schwarz-Weißen bestimmt wurde, mit viel Pech.

In der Liga musste die neuformierte Mannschaft enormes Lehrgeld bezahlen. Vor allem der Heimkomplex machte zu schaffen, doch bewies sie mit einigen Bravourleistungen Stehvermögen und erreichte einen neunten Abschlussplatz. Höhepunkt der Saison war aber der sensationelle Pokalerfolg gegen den Oberligisten Rot-Weiss Hasborn am 22. Mai 1988. Durch Tore von Kapitän Uwe Klein und Goalgetter Otmar Hesslinger und der imposanten Leistung von Sascha Cullmann, Patrick Karrenbauer und Stefan Müller qualifizierten wir uns erneut für das Halbfinale, unterlagen jedoch gegen den späteren Pokalsieger Saar 05 Saarbrücken knapp mit 0:1.


die Kraiczy-Elf 1988
v.l.n.r. Fechler, Tabellion, Ory, Karrenbauer, Schmitt D., Cullmann S., Klein, Trainer Kraiczy
kniend: Ackermann, Lonsdorfer, Staretzek, Ambrus, Schellenbach, Schwinn, Müller, Freichel, Musumarra

Mit dem oberligaerfahrenen Christoph Schmitt (Saarwellingen), aber mit dem Verlust des langjährigen Goalgetters Hesslinger (zum Nachbarn Pachten) bestritt Coach Kraizcy die folgende Spielrunde, die mit einem „Turbo-Start“ begann. Nach 18 Jahren gelang dem VfB beim ewigen Widersacher Auersmacher wieder ein 2:0-Triumph. Erst eine unglückliche 1:2-Niederlage gegen den späteren Meister FSG Schiffweiler konnte das junge VfB-Team in seinem Erfolgsrausch stoppen.
Mit einer neuen Attraktion für die Fußballanhänger wartete der Traditionsverein in der Winterpause auf. Der VfB veranstaltete sein erstes Hallen-Fußballturnier. Das von dem Unternehmer Willi Münster und seiner Firma BMS gesponserte Turnier wurde zu einem unerwarteten Erfolg. Noch heute zählt das Hallenspektakel, trotz vieler Nachahmer, zu den größten Sportereignissen in der Hüttenstadt und ist bei den Fans eine äußerst beliebte Abwechslung in der fußballlosen Winterzeit.

Willi Münster, jahrelanger Mäzen, Förderer und leidenschaftlicher VfB´ler wurde 1985 in den Kreis der Ehrenmitglieder aufgenommen.

In der Generalversammlung im März 1989 erntete Schatzmeister Reinhard Hector besonderes Lob der Mitglieder, konnte er doch nach vielen Jahren erstmals eine positive Bilanz im Finanzbericht vorweisen. Interessant war dabei, dass die Aufwendungen des Spielbetriebes mittlerweile zu 70 % durch Zuwendungen von Sponsoren erzielt wurden, denn von den kargen Zuschauereinnahmen war selbiger nicht mehr zu finanzieren.

Seine hervorragende Ausgangsposition verspielte das Kraiczy-Team in der Rückrunde mit acht Remis-Spielen infolge. Heraus sprang letztlich der 10. Tabellenplatz. Freude herrschte aber erneut über den erfolgreichen Nachwuchs. Unter Führung von Trainer Patrick Karrenbauer stieg die A-Jugend mit der Meisterschaft in der Bezirksliga erneut in die Verbandsliga auf, wo auch die B-Jugend seit Jahren einen vortrefflichen Part absolvierte.

Zur Saison 1989/90 kam mit Karl-Heinz Francois ein sehr erfahrener Trainer an die Papiermühle. Der „Meistermacher“ (Roden, Ensdorf, Saarwellingen), der als „Hardliner“ galt, sollte frischen Wind ins Mannschaftsgefüge bringen. Aufgrund des Verlustes von sechs Stammspielern war aber erstmal ein Neuaufbau angesagt, denn fünfzehn Neulinge hatten auf der Papiermühle angeheuert. Prominentester Neuzugang war sicherlich Torjäger Andreas Kerber vom SSV Überherrn.
Nach dreizehn Spieltagen zierte der VfB mit St.Ingbert das Tabellenende in der Liga und im Oktober 1989 verwiesen die VfB-Nachrichten mit der Schlagzeile: Quo vadis, VfB??auf die äußerst bedrohliche Lage hin.
Das Team fand auch im weiteren Verlauf der Runde zu keiner Kontinuität, zeigte extrem schwankende Leistungen und nur Dank der überragenden Torjäger-Qualitäten von Andreas Kerber (22 Saisontreffer) konnte letztlich die Liga erhalten bleiben.  

 

Förderer und Ehrenmitglieder im VfB

Alois Lauer

Willi Münster
  Alois Burger

Ein sicherer Mittelfeldplatz war dann auch bescheidenes Ziel von Trainer und Vorstandschaft für das neue Spieljahr, zumal die Rückkehr von Hesslinger neue spielerische Akzente versprach. Durch den Weltmeisterschaftstitel der Nationalmannschaft in Italien erhoffte man sich auch im Amateurbereich neue Impulse.

Die Offensiv-Maschine der Schwarz-Weißen lief sogleich auf Hochtouren. 17 Treffer in sechs Spielen stellten eindrucksvoll unter Beweis, dass der VfB wieder eine Macht in der Verbandsliga werden wollte, doch Keeper Liborius Schwinn musste sich einer Knieoperation unterziehen und sein Team stürzte alsbald ins Mittelmaß. Die Fans kamen aber trotzdem auf ihre Kosten. Zwar schlossen wir die Runde nur auf dem mäßigen 12. Tabellenplatz ab, doch Golagetter Andy Kerber wurde mit 23 erzielten Treffern Torschützenkönig der Liga. Außenstürmer Jürgen Staretzek glänzte mit weiteren 13 Toren. Kurios, mit 60 erzielten Toren stellte der VfB neben Hasborn die beste Angriffsformation, mit 67 Gegentreffern die schlechteste Abwehrreihe der Liga.

Auf das miserable Defensivverhalten reagierte der Verein im Sommer 1991 mit der Verpflichtung des Ex-Profis Bertram Basenach (vormals FC Ensdorf, 1. FC Saabrücken, SV Schwetzingen) und Detlef Speicher (FC Reimsbach). Geschäftsführer Jupp Schya, mittlerweile seit 20 Jahren Manager und „Mädchen für alles“ an der Papiermühle, forderte als neues Saisonziel ein deutlich besseres Abschneiden, unter Beibehaltung der attraktiven Spielweise.
Als beste Auswärtsmannschaft schloss das Francois-Team die Vorrunde ab, darunter ein tolles 3:0 in Mettlach. Vor eigenem Anhang lief aber nicht viel zusammen. Negativer Höhepunkt war die 1:7-Niederlage im Park gegen Auersmacher. „Ich bin enttäuscht“, ich habe mir die Fortschritte in Dillingen einfacher vorgestellt, resümierte Coach Francois nach der Saison.

Mit Mario Heitz (Siersburg), Artur Mohr (Merzig), Daniel Mergen (Hülzweiler) und Ralf Krisp (Westwacht Aachen) erhielt die Truppe weitere Verstärkungen, die sich sogleich als absoluten Gewinn für die Mannschaft erwiesen. Nach sechs Spieltagen hatten die Dillinger Kicker gerade mal sechs Tore erzielt, waren aber Tabellenführer.
Als Handicap erwies sich dabei der Ausfall von Torjäger Kerber, der sich einer Leistenoperation unterziehen musste und für die restliche Saison ausfiel.


Durch einen 9:2-Sieg auf dem Kieselhumes gegen Saar 05 wurde aber auch das Torverhältnis zurecht gerückt. Mit dem fünften Tabellenplatz konnten wir endlich wieder mit einer Spitzenposition in der Verbandsliga abschließen. Als Abschiedsgeschenk für Karl-Heinz Francois („vier Jahre VfB sind genug“) zelebrierte seine Elf im letzten Heimspiel gegen Überherrn einen zweistelligen Sieg (10:2), wobei Ralf Krisp mit sechs erzielten Treffern in einem Spiel einen einmaligen Verbandsligarekord aufstellte. Im übrigen glänzte der VfB auch als fairster Verein. Sechs Jahre blieben die Schwarz-Weißen ohne jegliche Spielsperre durch eine „rote Karte“, was auch bei den Schiedsrichtern im Lande viel Lob und Anerkennung fand.I
Torschützenkönig im VfB
Otmar Hesslinger

die François-Elf Verbandliga Saar 1992
v.l.n.r. Spielausschussvorsitzender Feilen, Hesslinger, Mergen, Kerber, Fechler, Basenach, Ludwig, Cullmann S., Krisp, Mohr, Trainer François
kniend: Staretzek, Wculek, Friedrich, Schellenbach, Bies, Hoffmann, Rapin, Heitz, Speicher

Von großem Vorteil war es sicherlich, dass die Mannschaft zur neuen Runde weitgehend zusammenblieb und das obligatorische Wechselspiel ausblieb. Torjäger Kerber (Trainer in Überherrn) und Schell musste man trotzdem als Abgänge verkraften. Der Neunkircher Gerd Schneider, an der Westsaar mehr ein unbeschriebenes Blatt, sollte als Coach neue Impulse setzen. Immerhin hatte er Halberg Brebach von der Bezirksliga bis zu Verbandsliga hochgepuscht. Der bis unter die Haarspitzen motivierte Schneider forderte von seinen Jungs kollektiven Kameradschaftsgeist und absolute Topleistungen. Am 14. Spieltag erklomm der VfB die Tabellenführung. Eine glänzende Siegesserie vom 18:2 Punkten ließ die Presse jubeln“ Schwarz-Weiß ist wieder in“. In der Tat, der VfB überwinterte als Klassenprimus in der Verbandsliga, noch vor den Topfavoriten Elversberg, Neunkirchen und Theley. Die Publikumsresonanz blieb trotz dieser Erfolge aus. Es war die Zeit gekommen, dass Väter nicht mehr ihren Sohn an die Hand nahmen und am Sonntag auf den Sportplatz gingen. Man verlustierte sich mit der Familie lieber in Vergnügungsparks und Spaßbädern oder besuchte gleich die lukrativen Bundessligaspiele vor Ort.

 Die Schneider-Crew blieb trotzdem voll auf Meisterschaftskurs bis zum 26. Spieltag. Ein unfassbares 2:8-Debakel gegen den Abstiegskandidaten Holz führte zum Verlust der Tabellenführung. Durch die anschließenden Niederlagen gegen Saar 05 und Großrosseln verspielten wir den Titel. Hinter Meister Elversberg blieb die Vizemeisterschaft. Trotzdem war die Freude bei der Fangemeinde grenzenlos, denn mit diesem Platz stiegen wir, nach 14 Jahren, erneut in die Oberliga-Südwest auf. Es war zweifellos ein neuerlicher Meilenstein in der bewegten Vereinsgeschichte.

 




das Schneider-Team 1994 – Aufstiegself zur Oberliga-Südwest
v.l.n.r. Hesslinger, Spielausschussvorsitzender Feilen, Trainer Schneider, Wculek, Fechler, Basenach, Mohr, Krisp, Mergen, Heitz, Schellenbach, Betreuer Lonsdorfer, Masseur Piehl,
sitzend: Speicher, Rapin, Jacob, Fetwi, Balge, Bies, Leick, Köhn, Staretzek, Lewandowski

Den „Kennern der Szene“ war jedoch schon vor dem Start ins neuerliche Abenteuer Oberliga klar, dass auf Dauer eine Daseinsberechtigung nur mit einer Top-Elf und einem professionellen Management garantiert werden konnte. Beides scheiterte an der chronisch-schlechten Finanzsituation des Clubs. Ohne nennenswerte Zugänge betrat der Neuling die Bühne. An konditioneller Verfassung und Selbstbewusstsein lag es nicht, doch durch eine 0:7-Heimniederlage, ausgerechnet gegen den saarländischen Nachbarn Saarwellingen, ging der Anschluss ans Mittelfeld verloren.
Trainer Schneider frustriert: „ Wir sind zu blöd, wir schlagen uns selbst“. Trotz einiger Achtungserfolge blieb es beim vorletzten Tabellenplatz vor dem TuS Mayen.

Die Fußballwelt war durch den Abstieg am 28. Mai 1995 nicht untergegangen. Auf die Häme und den Spott der unterklassigen Nachbarschaft konterten die VfB-Nachrichten „Wer nie eine Leiter erstiegen hat, kann auch nicht herunterfallen“.
Es gab auch keinen Anlass Trübsal zu blasen. Das Oberliga-Team kam ins Halbfinale um den Saarlandpokal und verlor erst in der Verlängerung gegen den SV Mettlach mit 2:3. Unter Trainer Werner Broßette errang unsere A-Jugend die Meisterschaft in der Bezirksliga-Südwest und stieg in die Verbandsliga auf.

In diesem Jahr standen wir erneut vor einem Umbruch in der Vereinsstruktur. Nach zehn Jahren stellte Vorsitzender Peter Gergen sein Amt zur Verfügung. In seiner Ära, die viele von ganz oben (DFB) verordnete Nachteile für den Amateurfußball mit sich brachten, werden der Aufstieg in die Oberliga, die tollen Hallenturniere und etliche Großveranstaltungen im Parkstadion in bester Erinnerung bleiben. Für die Verdienste um den Club erhielt auch er die Ehrenmitgliedschaft.

Ein neuer „Chef“ konnte erst am 2. Juni 1995 in einer außerordentlichen Generalversammlung mit dem Mitglied und Förderer Adolf Leonhardt gefunden werden. Nach Alois Backes war er der zweite Vorsitzende aus dem Stadtteil „Überm Berg“ und er machte seine Sache gut.

Trainer Schneider ließ seine „Buben“ nicht im Stich und die Aktiven zeigten Charakter, in dem sie den Vereinsfarben trotz Abstieg treu blieben. Die Vergangenheit war schnell abgehakt und das Team zeigte in der Saison 1995/96, dass es ein „Durchreichen“ in untere Gefilde nicht hinnehmen wollte. Ganz im Gegenteil, die Fans hatten in der Vorrunde ihre helle Freude an den Darbietungen ihrer Truppe. Nach einem aussichtsreichen vierten Platz zu Weihnachten befiel die Mannschaft aber wie so oft das berüchtigte „Dillinger Frühjahrs-Virus“, so dass wir uns letztlich mit dem siebten Rang begnügen mussten.
Unsere B-Jugend sicherte sich eindrucksvoll den Titel eines Hallensaarland-Meisters und erreichte mit Coach Michel Postorino das Finale im Saarland-Pokal gegen den 1. FC Saarbrücken. Den „Kleinsten“ im VfB, der F-Jugend, gelang die Kreismeisterschaft.
Mit einem Festkommers am 28. Juni 1996 in den altehrwürdigen Räumlichkeiten des Dillinger Schlosses beging der Club mit Freunden, Gönnern und vielen Offiziellen aus Politik und Sport sein 90-jähriges Vereinsjubiläum.

Nach den tollen Fußballereignissen in England mit dem Gewinn der Europameisterschaft für das nationale Team und den parallel laufenden Festlichkeiten anlässlich des 90jährigen Bestehens unseres VfB kehrte der Alltag wieder an der Papiermühle ein.
Die Vereinsverantwortlichen gingen neue Wege. Vom „Wandel ohne Bruch“ und „Kraft aus den eigenen Reihen schöpfen“ war die Rede. Tatsächlich vermeldete der Traditionsclub zum Saisonstart 1996/1997 keinen einzigen Neuzugang und mit Bertram Basenach (ehemals Profi beim 1.FC Saarbrücken) als Nachfolger von Gerd Schneider einen aktiven Spieler als neuen Verantwortlichen für den sportlichen Bereich.

Allein sieben Nachwuchsspieler aus der A-Jugend sollten in die erste Mannschaft integriert werden. Das stark verjüngte Team musste aber erst einmal Lehrgeld bezahlen. Die Probleme lagen eindeutig in der Offensive, denn nach fünf Spielen hatte man erst einen einzigen Treffer erzielt. Die neuformierte Truppe dümpelte in den hintersten Regionen der Liga und so manchem Fan wurde es, angesichts der Tabellensituation, Angst und Bange. Hinzu kam, dass unser langjähriger Aktiver und Spielausschussvorsitzender Rudolf Lonsdorfer im September 1996 plötzlich und unerwartet verstarb, ein schwerer Schock für die VfB-Gemeinde. Neu-Trainer Basenach erledigte jedoch seine Hausaufgaben cool und sachlich, wie es seine Art war. Zwei Monate blieb der VfB, nach einem Auswärtserfolg in Noswendel, ungeschlagen, holte fünfzehn Punkte infolge und katapultierte sich auf den fünften Platz der Verbandsliga.

Diese Euphorie nahm das Team auch in die Winterpause mit. Etliche Hallenturniere wurden mit Erfolg bestritten und letztlich gelang es dem Basenach-Team zum zweiten Mal den eigenen BMS-Cup zu gewinnen. Damit hatte sich der VfB für das „Hallen-Masters“ (saarländische Meisterschaft im Hallenfußball) in Völklingen qualifiziert, wo man eine überaus gute Klinge schlagen konnte. Mehr als 3000 Zuschauer verfolgten die Finalspiele. Nur wegen des schlechteren Torverhältnisses gegenüber dem späteren Sieger SC Brebach verpasste der VfB den Einzug ins Finale.
Trotzdem ein enormer Imagegewinn für den Verein.
Dem hoffnungsvollen Jahresauftakt folgten allerdings einige Dämpfer im Liga-Alltag.
Verletzungs- und berufsbedingt musste der Coach auf wichtige Leistungsträger verzichten. Trotzdem konnte man die Saison auf einem ausgezeichneten siebten Tabellenplatz der Verbandsliga abschließen.

In der Mitgliederversammlung vom 21. März 1997 löste Alfred Schreiner den seit zwei Jahren amtierenden Vorsitzenden Adolf Leonhardt ab. Dem neugewählten Vorstand wurde auch gleich ein schwerwiegendes Aufgabenpaket mit auf den Weg gegeben. In der Konsolidierung der Finanzen, Aktivierung von Marketing, Fortsetzung der ausgezeichneten Jugendarbeit und nicht zuletzt des Neuaufbaues im Aktivenbereich sollten die Schwerpunkte künftiger Vorstandsarbeit liegen.


das Basenach-Team 1996 Verbandsliga Saar
v.l.n.r. Betreuer Broßette W., Heitz, Klewin, Bongiorno, Mergen, Spielertrainer Basenach, Hofmann, Schober Mohr, Spielausschussvorsitzender Lonsdorfer
kniend: Walter, Broßette M., Vinciguerra, Schuster, Balge, Staretzek, Schifino, Arweiler

Im zweiten Jahr unter Trainer Bertram Basenach startete unsere Elf furios in die Saison. Sage und schreibe siebzehn Spieltage blieben die Schwarz-Weißen bis in den November 1997 ungeschlagen, eine einmalige Serie. Zudem stellte man, trotz einer sehr dünnen Spielerdecke, mit 39 erzielten Treffern die beste Angriffsformation der Klasse. Vor allem die Kanter-Siege gegen Eppelborn (6:2), Marpingen (10:0), Hasborn (5:1) waren in aller Munde. Erst ein 0:3-Niederlage in Reimsbach beendete die Superserie. Zwar konnte der VfB die Vorrunde mit dem ausgezeichneten dritten Tabellenplatz abschließen, allerdings waren die Meisterschaftsambitionen bereits zu diesem Zeitpunkt ausgeträumt, da den Amateuren des 1.FC Saarbrücken mit einem satten Vorsprung von zehn Punkten die Titelkrone nicht mehr zu entreißen war.

Für die Fans gab es in der Winterpause viel zu feiern. Im Jugend-Hallenmaster des saarländischen Fußballverbandes wurde die A-Jugend des VfB Saarlandmeister, noch vor dem hochfavorisierten 1. FC Saarbrücken. Die D-Jugend holte sich bei der gleichen Veranstaltung den Titel eines Vizemeisters.

Die restliche Rückrunde verlief für die 1. Mannschaft eher durchwachsen. Achtungserfolge gegen Meister Saarbrücken, Vizemeister Theley und den Dritten Reimsbach waren die Höhepunkte. Die Tabelle hatte nach einer sehr erfolgreichen Saison 1997/98 folgendes Bild:
Sympathie- und Leistungs-
träger der Basenach-Elf

Mario Heitz

In der Sommerpause standen die Fußballanhänger im Bann der Weltmeisterschaft in Frankreich, wo das unrühmliche Ausscheiden des eigenen Nationalteams für erhebliche Ernüchterung sorgte. Während die „Grande-Nation“ gebührend ihren Titelgewinn feierte, hatten die „allemanischen Weicheier“ an ihren Wunden zu lecken.

Mit der Weiterverpflichtung von Trainer Basenach, der Integration von drei A-Jugendlichen und weiteren Verstärkungen erfahrener Spieler aus dem Verbandsliga-Bereich schienen die Schwarz-Weißen für die folgende Spielzeit bestens gerüstet.
Nach einem Auftakt nach Maß mit zwei Siegen gegen Überherrn und Bosen titulierte die Saarbrücker Zeitung am 10.8.1998: „Favorit Dillingen hat alles im Griff“.
Nach einem 1:4-Debakel gegen Noswendel und einer weiteren Heimniederlage gegen Auersmacher, nach vier Spieltagen, hagelte es allerdings Kritik von allen Seiten. Sie wurde aber von der Elf beherzigt und Trainer und Mannschaft wussten die richtige Antwort darauf zu geben.

Bis zum 15. Spieltag der Vorrunde verbuchte das Team, bis auf eine knappe Niederlage in Hüttigweiler, Punkt für Punkt und erreichte das obere Tabellendrittel, wobei der Derby-Sieg am 7. November 1998 in Reimsbach ( 3:2) den Höhepunkt darstellte. Zum Abschluss der Vorrunde lag der VfB auf dem 5. Platz der Verbandsliga. Geschäftsführer Schya resümierte in einem Interview der Saarbrücker Zeitung: „ Wir liegen im Soll, das entspricht unserem erklärten Saisonziel“.
Einen erheblichen Dämpfer musste die VfB-Fangemeinde aber zur Winterpause verdauen. Bertram Basenach, seit 1991 bewährter Stammspieler im Parkstadion und nunmehr seit drei Jahren Trainer wollte seinen Vertrag als Coach nicht weiter verlängern, da sowohl berufliche, als auch familiäre Gründe dem entgegenstanden. Zweifellos ein Schock für Mannschaft und Umfeld.

In der Mitgliederversammlung vom 19. Februar 1999 wurde Vorsitzender Alfred Schreiner in seinem Amt bestätigt. In seiner Laudatio auf die vergangene Amtsperiode verwies er auf den kontinuierlichen Neuaufbau der 1. Mannschaft mit der Integration des eigenen Nachwuchses. Ausführlich wurde die gute Jugendarbeit im Verein gewürdigt, die sich mittlerweile als Talentschmiede einen überregionalen Ruf erworben hatte.

Nach der Winterpause kamen die Schwarz-Weißen allerdings nicht mehr so recht in Tritt. Nach der Heimniederlage im Lokal-Derby gegen Siersburg war der Zug in Richtung oberes Tabellendrittel abgefahren. Lediglich der 6:0-Kantersieg auf dem Kieselhumes gegen Saar 05 und ein 4:1 im Saarwellinger Weidenbruch ließen noch einmal aufhorchen. Im Saarland-Pokal hatten wir das Achtelfinale erreicht, mussten uns aber dem Oberligisten Borussia Neunkirchen geschlagen geben. Zu groß war der Klassenunterschied.

Im letzten Saisonspiel am 16. Mai 1999 bescherte die Truppe ihrem scheidenden Coach Bertram Basenach mit einem 2:0 gegen Reimsbach noch einen versöhnlichen Abschluss. Der 11. Tabellenplatz entsprach allerdings nicht den hochgeschraubten Erwartungen zum Start dieser Spielrunde.

Trotzdem herrschte an der Papiermühle eitel Sonnenschein. Die A-Jugend wurde unter Trainer Norbert Velten in der Verbandsliga souveräner Saarland-Meister und schaffte damit den Aufstieg in die Regionalliga Südwest, der höchsten deutschen Juniorenklasse. In einem großen Traktoranhänger mit dem Transparent „Regionalliga, wir kommen“ machten sich die Nachwuchskicker nach ihrem letzten Saisonspiel in Überherrn (8:0) auf den Weg in die Heimat, wo sie von Eltern und Fans mit Jubel und Begeisterung empfangen wurden.
Damit aber noch nicht genug. Die C-Jugend errang die Meisterschaft in der Bezirkliga Südwest und qualifizierte sich für die Verbandsliga, wo auch mittlerweile die B-Jugend eine vorzügliche Klinge schlagen konnte. Zudem wurden die E1- und die E2-Jugend in ihren jeweiligen Staffelklassen Meister. Zur hervorragenden Bilanz gesellte sich das gute Abschneiden im Saarlandpokal, wo A- und B-Jugend erst im Halbfinale scheiterten und die C-Jugend sich erst im Endspiel dem 1 .FC Saarbrücken geschlagen geben musste.
Bei den anschließenden Meisterschaftsfeiern gab es viel Lob für Spieler und Trainer. Als Vater des Erfolges wurde Jugendleiter Werner Altmaier gefeiert, dessen unermüdliche und rührige Arbeit diese Erfolge erst ermöglicht hatte. Ihm ist es auch zu verdanken, dass der VfB einen Zustrom von Jugendlichen erfuhr, wie er so in der Vereinsgeschichte noch nicht zu vermerken war.




A-Jugend- Meister der Verbandsliga Saar und
Aufsteiger in die Regionalliga-Südwest 1998/99

obere Reihe v.l.n.r. E.Ternes, Lambert, Hilt, R.Ternes, Croon,
mittlere Reihe v.l.n.r. Betreuer Guillaume, Schröder, Izzidin, Ley, Urban, Guillaume I., Barbar, Simon ,Trainer Velten
sitzend: Kreuser, Hollinger, Planta, Gossrau, Neumeyer
es fehlen: C.Klein, Spinello

Das Spieljahr 1999/2000 brachte viele Veränderungen im Verein. Spielertrainer Basenach beendete seine Karriere und gleich sieben Stammspieler brachen ihre Zelte in der Hüttenstadt ab. Der bisherige Co-Trainer Jürgen Staretzek übernahm als Trainer die Aktiven. Er galt als echtes „Ur-Gestein“ , denn von der F-Jugend bis zur ersten Mannschaft hatte er alle Stationen durchlaufen. Das Team wurde durch sechs A-Jugendliche aus der Meisterelf und einigen Akteuren aus unteren Klassen ergänzt.

Die VfB-Nachrichten stellten damals die bange Frage in den Raum: „Reicht das um das sportliche Niveau zu halten und dem Traditionsclub auch weiterhin die Klasse zu sichern?“. Jedenfalls standen Trainer und Mannschaft vor einer ungemein schwierigen Aufgabe.





Obwohl sich die Dillinger „Fohlenelf“ redlich mühte, durchschlagende Erfolge blieben schon zum Rundenstart aus. Nach einer Heimniederlage gegen Mettlach zierten die Schwarz-Weißen am 12. September 1999 den letzten Tabellenplatz. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass man diesen Platz nur noch einmal, am 27. Spieltag, verlassen sollte.

„Was ist mit dem VfB Dillingen los“, titulierte die Saarbrücker Zeitung im Oktober, nach einer nie da gewesenen Niederlagenserie. In einem Interview verwies Staretzek auf die guten Leistungen der jungen Spieler, machte aber seinen ligaerfahrenen Akteuren den Vorwurf, dass sie ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Vor allem im Offensivbereich haperte es, was die mangelhafte Torausbeute deutlich wiedergab. Das Pech blieb der Truppe treu. Trotz guter Leistungen wurden fast alle Spiele mit nur einem Tor Unterschied verloren. „Spillen kennen user joh, awwa voa em Dooa gett nix“, war ein vielgehörter Satz der Fans im Parkstadion.
Die äußerst prekäre Lage der 1. Mannschaft führte nicht nur bei der Anhängerschaft, sondern auch im Vorstand für Turbulenzen. Am 23. Februar 2000 kam es zu einer außerordentlichen Mitgliedersammlung in der Vorsitzender Schreiner, sein Stellvertreter und der Schatzmeister von ihren Ämtern zurücktraten. Dem personellen Wechsel im Vorstand folgte auch ein sportlicher. Jürgen Staretzek wurde als Trainer von Gerd Schneider abgelöst, stand seiner Mannschaft aber weiter als Spieler zur Verfügung. Als neuen Vorsitzenden wählte die Mitgliederversammlung Heinz Gindorf, der dieses Amt auch heute noch innehat.

Neu-Trainer Gerd Schneider, der den VfB in der Saison 1993/1994 in die Oberliga-Südwest geführt hatte, war bei seiner Wiederverpflichtung überzeugt vom Klassenverbleib. Durch die harte Vorbereitung in der Winterpause konnte die angeschlagene Psyche der Elf wieder ins Lot gebracht werden, was sich auch in den folgenden Spielergebnissen wiederspiegelte. Nach einem 4:0-Erfolg gegen Saarwellingen gab man die „Rote Laterne“ an den Nachbarn ab und ließ auch noch das mitgefährdete Bosen hinter sich. Noch einmal keimte bei den Fans Hoffnung auf. Die Heimniederlage am 7. Mai 2000 gegen Überherrn besiegelte allerdings das Schicksal der Schneider-Truppe. Im letzten Verbandsligaspiel benötigte der VfB einen Sieg beim Namenvetter Hüttigweiler, bei einer gleichzeitigen Niederlage von Saarwellingen in Völklingen. Saarwellingen siegte und die Schwarz-Weißen unterlagen.
Nach achtundzwanzigjähriger Mitgliedschaft in der Verbandsliga musste unser Verein den Abstieg in die Landesliga-Südwest hinnehmen. Ein Ereignis, das gravierende Folgen mit sich brachte, die bis heute andauern.
Große Fußballtalente aus dem eigenen Jugendbereich, wie Schifino, Arweiler, Schönberger, Kammer, Schumacher, Ternes, Summer Mozain, Urban, um nur einige zu nennen, konnten infolge nicht mehr, oder nicht mehr langfristig in den Aktivenbereich gebunden werden. Sie wechselten in höhere Spielklassen.

Bei aller Tristesse über den Niedergang der 1. Mannschaft kann der Chronist in der Spielzeit 1999/2000 aber auch Positives von der Papiermühle vermelden. Die A-Junioren hatten sich in der Regionalliga Südwest gegen Top-Vereine wie 1.FC Kaiserlautern, FSV Mainz 05, 1 .FC Saarbrücken, TuS Koblenz oder FK Pirmasens wacker geschlagen und belegten einen ausgezeichneten 7. Tabellenplatz in der Abschlusstabelle.

Unsere B-Jugend unter Coach Franz-Josef Bleses schafften gar die Meisterschaft in der Verbandsliga und damit ebenfalls den Aufstieg in die Regionalliga-Südwest. Sie qualifizierte sich sogar für das Endspiel im Saarland-Pokal, wo man nur knapp dem 1. FC Saarbrücken unterlag. Die Jugendabteilung unter der Leitung von Werner Altmaier stand auf dem Höhepunkt einer einmaligen Erfolgsstory. Der VfB Dillingen war neben dem Profi-Club Saarbrücken zum Leistungszentrum für Jugendarbeit im Saarland geworden.


B-Jugend – Meister der Verbandsliga Saar 1999/2000
und Aufsteiger in die Regionalliga-Südwest

v.l.n.r. Adler, Trainer Bleses, Bellmann, Gerart, Comtesse, Geisler, Feld, Yalcin, Burger, Urban, Fortein, Efe
kniend: Jugendleiter Altmaier, Kadouri, Kammer, Croon, Reiplinger, Schettle, Öney, Gietzen, Trenz, Flesch

Als Absteiger aus der Verbandsliga mussten sich die Schwarz-Weißen im neuen Umfeld Landesliga erst einmal zurechtfinden. Erstrangiges Ziel war dabei, nicht erneut „durchgereicht“ zu werden. Trainer Schneider gelang es, die völlig neuformierte Truppe so zu motivieren, dass sie sich alsbald für höhere Aufgaben empfahl. Eine tolle Siegesserie in der Vorrunde schuf beste Voraussetzungen um bei der Vergabe der Meisterschaft ein Wort mitzureden. Bis zum 29. Spieltag lag der VfB voll im Rennen. Am 14. Mai 2001 vermeldete die Saarbrücker Zeitung: „Hülzweiler kickt Dillingen aus dem Titelkampf“. Die 0:3-Niederlage und weitere krasse Aussetzer in der Rückrunde gegen vermeintlich schwächere Gegner wie Wahlen, Roden, Rehlingen oder Schmelz waren letztlich ausschlaggebend, dass es in der Endabrechnung „nur“ zum dritten Tabellenplatz reichte. Es blieb aber der Trost, dass ein direkter Wiederaufstieg in die Verbandsliga für diese junge Mannschaft auch verfrüht gewesen wäre.

A- und B-Junioren setzten ihre Erfolgsstory in den Regionalligaligen mit großartigen Leistungen und achtbaren Abschlussplätzen fort. Die B-Jugend erreichte gar das Endspiel im Saarland-Pokal, wo man erst in der Verlängerung dem 1. FC Saarbrücken unterlag. Nach acht erfolgreichen Jahren trat jedoch Jugendleiter Werner Altmaier auf dem Höhepunkt seines Schaffens von seinem Amt zurück.

Zur Saison 2001/2002 wurde der Verjüngungsprozess im VfB fortgesetzt. Die Routeniers Hesslinger und Staretzek hingen die Schuhe an den Nagel und mit Woijtec Kaszub verlor die Elf ihren „Lenker“ und „Denker“ im Mittelfeld. Mit Ch. Schönberger und Neumeyer sollten die Lücken geschlossen werden. Nach einem ziemlich holprigen Auftakt kam das Schneider-Team infolge besser in Fahrt, doch fehlte es, trotz hoher spielerischer Qualitäten, an Cleverness und Beständigkeit. Am 12. Spieltag im Oktober düpierten die Schwarz-Weißen ihre Anhängerschaft mit einer 2:4-Niederlage gegen das bisher sieglose Schnappach im heimischen Park. Zwar zeigte die Mannschaft danach eine erhöhte Leistungsbereitschaft, doch blieb die Ausbeute kümmerlich. Ihren Frust über die magere Punktausbeute in der Feldrunde ließ die Mannschaft in der Hallensaison ab. Beim 14. BMS-Hallenturnier verwandelte der VfB die Sporthalle West in ein Tollhaus. Mit Laola-Wellen feierte die ausverkaufte Bühne den 6:2-Finalsieg gegen den 1. FC Saarbrücken. Nur knapp verfehlte der Verein die Teilnahme am saarländischen Hallenmaster.

Danach war auch in der Rückrunde ein Aufwärtstrend in der Landesliga unverkennbar. Mit 43 Punkten und einem Torverhältnis von 62:50 schloss das Schneider-Team mit dem 7. Tabellenplatz die Runde ab. Nach dem Saisonfinale gegen Dudweiler nahm Trainer Gerd Schneider Abschied aus dem Parkstadion.
In seiner Zeit als Coach konnte er auf ein äußerst erfolgreiches Wirken in der Hüttenstadt zurückblicken.

Unter dem neuen Jugendleiter Franz-Josef Bleses gelang in einem „Herzschlag-Finale“ gegen den SV Steiningen unseren A-Junioren der Klassenerhalt in der Regionalliga Südwest, den sich auch die B-Jugend schon Wochen vorher mit einem 8. Tabellenplatz sichern konnte.

Zum Start ins Spieljahr 2002/2003 vermeldete der VfB einen neuen verantwortlichen Trainer auf der Kommandobrücke. Mit Otmar Hesslinger übernahm ein Dillinger „Urgestein“ und Fußballidol die Leitung der Landesliga-Mannschaft. Nach einem unglaublichen Aderlass an Leistungsträgern stand er vor einer schwer lösbaren Aufgabe. Das Team konnte nur durch Eigengewächse ergänzt werden. Für Neuverpflichtungen aus dem Umland fehlten die finanziellen Mittel. Die Altersstruktur des Teams sank auf unter 21 Jahre. Mit Bangen erwartete die Vereinsgemeinde den Saisonstart, doch zeigten die jungen „Wilden“ wie Christian Klein, Christian Schönberger, Marc Bellmann, Michael Urban um Routinier Thomas Köhn, dass sie nicht gewillt waren, dem Gegner das Feld zu überlassen.




die Hesslinger-Elf 2003 – Landesliga-Südwest
v.l.n.r. Feld, Betreuer Schönberger, Spielausschusvorsitzender Junker, Betreuer Wiesen, Kaszub, Fortein, Kilper, Neumeyer, Schönberger Ch., Hilt, Klein, Trainer Hesslinger,
kniend: Bare, Bellmann, Burger, Köhn, Schettle, Gossrau, Trenz Ch., Groß, Cronn, Comtesse

Nach 15 Spieltagen eroberten Hesslingers „Grünschnäbel“ den 5. Tabellenplatz. Die ganze Liga zeigte sich verwundert und zollte den Schwarz-Weißen höchste Anerkennung. Für die Fans war klar, hier wächst was zusammen.
Tatsächlich blieb der VfB bis zum Saisonabschluss ohne Niederlage und belegte mit 52 Punkten in der Abschlusstabelle einen nicht für möglich gehaltenen 5. Rang.

Mit Vorschuss-Lorbeeren von den Fußballexperten wie „Der VfB ist spielerisch die beste Mannschaft der Liga“ ging das Hesslinger-Team ins vierte Jahr der Landesliga-Südwest. Der Start war auch sehr beachtlich, man spielte im Spitzenfeld mit.
Leistungsträger im Hesslinger-Team
Christian Schönberger

Zudem sorgte die zweite Mannschaft für Furore im Saarlandpokal. Höherklassige Vereine wie Scheiden, Gisingen, Mettlach II und Losheim wurden eliminiert. Erst in der Hauptrunde musste sich der von Salvatore Mussumarra trainierte zweite „Hieb“ gegen den Verbandsligisten Reiskirchen geschlagen geben. Viel bedeutender war jedoch die Meisterschaft der II. Mannschaft und der Aufstieg in die Kreisliga A, womit ein langgehegter Wunsch der Vereinsführung in Erfüllung ging.
Mit der Ausrichtung des U-19 Länderspieles Deutschland gegen Malta für die EM-Qualifikation im Oktober 2003 erhielt unser Verein erneut höhere Weihen des DFB.
2.700 Zuschauer bejubelten im Park die Tore von Lukas Podolski (1.FC Köln) und Mario Gomez (VfB Stuttgart). Der VfB erhielt höchste Anerkennung für die hervorragende Organisation dieses Länderspieles.

Die 1. Mannschaft spielte auch im weiteren Verlauf der Runde eine gute Rolle und schloss die Saison mit einem 8. Tabellenplatz ab. Ein Wehrmutstropfen war dabei sicherlich der Weggang des Eigengewächses Christian Schönberger, der in der Verbandsliga neue Herausforderungen suchte.
Die A-Jugend schaffte mit Bravour den Klassenerhalt in der Regionalliga-Südwest, die B-Jugend wurde Meister der Bezirksliga West und stieg wieder in die Verbandsliga auf.

Mit der Parole: „die erste Garnitur will in der Landesliga ganz vorne mitspielen“, ging der VfB ins Spieljahr 2004/2005. Bis auf Eduard Böhländer gab es keine wesentlichen Verstärkungen für die Elf. Schon das erste Spiel auf dem Kieselhumes fiel wegen eines Gewitters aus. Kein gutes Omen für den weiteren Verlauf der Runde. In der Tat, es hagelte infolge Niederlagen und nach einem 1:7-Desaster im Park gegen Hemmersdorf und dem darauffolgenden 1:5 beim Neuling Beaumarais vermeldete der Saar-Amateur „die Ära Hesslinger ist zu Ende“. Mit seinem Rücktritt wollte der Trainer ein Zeichen setzen, um das Team wachzurütteln.

Ex-Trainer Bertram Basenach übernahm für vier Wochen seinen Part und mit drei Kanter-Siegen gegen Schmelz, Sportfreunde Saarbrücken und Saar 05 gab die Schwarz-Weißen wieder Lebenszeichen von sich. Zu allem Überdruss wurden dem VfB jedoch sechs Punkte aus den Spielen gegen Saar 05 Saarbrücken abgezogen, da die St.Johanner Konkurs gingen und zum Zwangsabstieg verurteilt wurden. Das Abstiegsgespenst zog auf der Papiermühle ein.

In der Winterpause verpflichtete der Verein den ehemaligen Bundesliga-Profi Joachim Trautmann („Traudl“) (vormals Hannover 96, VfL Wolfsburg, 1. FC Saarbrücken). Gleich zum Einstand gelang der Mannschaft der Turniersieg beim eigenen BMS-Hallenturnier. Trautmann brachte das Kunststück fertig, die Truppe auch für die Rückrunde neu zu motivieren. Am 21. Spieltag verließen die Schwarz-Weißen, nach einem „Dreierpack“ in Limbach die Abstiegsränge und sicherten sich mit dem 11. Tabellenplatz den Klassenerhalt.
Auch auf den letzten Drücker verblieb die II. Mannschaft in der Kreisliga A mit einem Sieg gegen Stella Sud Saarlouis. Unsere F-Jugend wurde Meister in ihrer Klasse.
Der Abstieg der A-Jugend aus der Regionalliga-Südwest und der Abstieg der B-Jugend aus der Verbandsliga waren bittere Wehrmutstropfen, aber nicht weiter verwunderlich. Viel zu lange blieb die Jugendabteilung, nachdem im März 2004 Jugendleiter Franz-Josef Bleses zurückgetreten war, ohne kompetente Führung, so dass das hohe Niveau der Vorjahre nicht mehr gehalten werden konnte. Ein Versäumnis der Verantwortlichen, das beim einstigen „Musterverein“ in der Jugendarbeit noch lange nachwirken wird.

Nach diesem schweren Jahr, galt es für Trainer Trautmann sechzehn neue Spieler, die fast alle aus der Jugend kamen, zu integrieren. Mit Jens Gerlach wurde an der Papiermühle ein weiterer Ex-Profi (vorher Magdeburg, Chemnitz, Elversberg) im Kader aufgenommen. Der jungen Truppe des VfB fehlte es aber an der nötigen Dominanz und an Cleverness um im Konzert der „Großen“ mitzuhalten. Trotzdem konnten wir uns bis Jahresausklang im vorderen Tabellendrittel behaupten. Der 8:1-Kantersieg gegen Noswendel und das 3:2 gegen den späteren Meister Hemmersdorf waren die Höhepunkte der Saison. Durch zahlreiche Verletzungen und Doppeleinsätze in der 2. Mannschaft geschwächt, war letztlich ein besseres Abschneiden nicht möglich. Der 7. Tabellenplatz war immerhin eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr und lässt auf bessere Zeiten hoffen.

Für den Verein ging, ein Jahr vor dem 100-jährigen Jubiläum, ein großer Traum in Erfüllung. Auf Initiative unserer 1. Vorsitzenden Heinz Gindorf wurde auf dem Sportplatz Papiermühle ein Kunstrasenplatz erbaut. In Anwesenheit zahlreicher Prominenz konnte die Anlage im Oktober 2005 von Innenministerin Karrenbauer und Bürgermeister Berg ihrer Bestimmung übergeben werden. Endlich kann die alte Heimat des Traditionsvereins ein sattes „Grün“ vorweisen. Dank der großen Unterstützung der Stadt, der Sportplanungskommission des SFV, der Dillinger Hütte und der enormen Eigenleistung der Vereinsmitglieder wurde dieses Vorhaben umgesetzt. Zudem erfuhr das Clubheim einen Erweiterungsbau und es wurden zusätzliche Funktionsräume errichtet. Im Jubiläumsjahr präsentiert sich die nunmehr über achtzig Jahre alte Anlage als ein wahrhaftiges „Schmuckstück“ in unserer Stadt.




unsere Papiermühle im neuen Gewand



Dillinger Parkstadion

Damit beenden wir unseren Rückblick über 100 Jahre Fußball in Dillingen.

Man spricht in jüngster Zeit, angesichts hoher Werteverluste im Gemeinwesen wieder verstärkt vom sogenannten Ehrenamt. Tatsache ist, dass ohne die zahlreichen, uneigennützigen Helfer und Betreuer, die nie im Rampenlicht stehen, hier seien nur stellvertretend die Platzkassierer Gustl Schmitz, Dietmar Haffner, Kurt Mittermüller und Ernst Rimpel genannt, ein geordnetes Vereinsleben überhaupt nicht möglich wäre. Ihnen allen hat dieser Club unendlich viel zu verdanken.

So mancher Aktive oder Funktionär, der sich um die Belange des VfB verdient gemacht hat, wird sich in dieser Chronik nicht ausreichend gewürdigt sehen bzw. nicht wiederfinden. Dem Autor möge man das verzeihen, denn für die Vollständigkeit der Wiedergabe dieses mehr als bewegten Vereinslebens kann auch er, trotz größter Bemühungen, keine Gewährleistung geben.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Freunden des VfB, die in irgendeiner Weise zum Gelingen dieser Chronik und der Festzeitschrift beigetragen haben. Mein ganz persönlicher Dank gilt Herrn Werner Ackermann und seinem Team (Krüger-Druck+Verlag) für die professionelle Begleitung und Beratung.

Der Fußballsport in Deutschland und hier insbesondere der Amateurbereich wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mit großen gesellschaftlichen Herausforderungen konfrontiert werden. Die extrem sinkende Geburtenrate, die verstärkt notwendige Integration ausländischer Jugendlicher und die Konkurrenz anderer Sportarten werden uns zu mehr Kooperation und Konzentration zwingen.

Das alles sollte uns nicht bange machen.
An der Faszination und Attraktivität unserer Sportart wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Sie wird sich auch weiterhin ihren überragenden Stellenwert sichern.
Im Jubiläumsjahr des VfB Dillingen findet just auch die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland statt.
Ihr Motto lautet: „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Dem schließen wir uns für die kommenden Festlichkeiten in unserem Verein gerne an.


* Aus der Festzeitschrift zum 100jährigen Vereinsjubiläum -
   unter Verwendung der Festzeitschrift zum 50jährigen Vereinsjubiläum
   (Chronik von 1906 bis 1956)